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«Wir arbeiten mit der neusten Technologie»

9 July 2020, 3 Comments

Seit 28 Jahren misst MeteoSchweiz die Pollenkonzentration in der Luft. Bisher geschah dies nur manuell, dank der jüngsten technologischen Entwicklung können nun automatische Messungen in Echtzeit gemacht werden. Die dadurch schneller und rund um die Uhr verfügbaren Pollendaten sind für Allergikerinnen und Allergiker, die mehr als 20% der Bevölkerung ausmachen, von grosser Bedeutung.

Um einen detaillierten Einblick in dieses Projekt der «Pollenautomatisierung» zu erhalten, haben wir mit dem zuständigen wissenschaftlichen Mitarbeiter von MeteoSchweiz, Benoît Crouzy gesprochen:

Das «Swiss Automatic Pollen Network» soll in der Schweiz flächendeckend Pollenmessdaten liefern. Wie ist es zu diesem Projekt gekommen?

Ende der 1960er Jahre begannen Ärzte in der Schweiz mit der Durchführung von Pollenmessungen, um ihre Patienten besser behandeln und auf die explosionsartige Zunahme von Atemwegsallergien in der Bevölkerung reagieren zu können. Diese Messungen basierten auf der manuellen Zählung von aus der Luft entnommenen Partikelproben. MeteoSchweiz ist seit 1993 für den Betrieb des Pollenmessnetzes verantwortlich. Die manuelle Zählung führt zu einer Verzögerung von mehreren Tagen zwischen der Sammlung der Partikel und der Weitergabe der Daten an die Nutzerinnen und Nutzer. Seit 10 Jahren testet MeteoSchweiz daher neue Technologien, die eine automatische Pollenmessung ermöglichen könnten. Parallel dazu wurde eine externe Studie durchgeführt, um das Kosten-Nutzen-Verhältnis eines automatischen Netzwerks zu bewerten. Das Projekt wurde gestartet, nachdem die Machbarkeit und der Nutzen eines solchen Netzwerks nachgewiesen worden waren.

Februar und März Hasel, im April Birke, die Gräser vor allem im Mai und Juni. Man weiss, wann was blüht. Wozu braucht es automatische Pollenmessungen?

Die Blütezeit der verschiedenen Baum- oder Gräserarten variiert von Jahr zu Jahr stark. Beispielsweise können blühende Haselnussbäume bereits im Dezember beobachtet werden, oder, im Falle eines strengeren Winters, beginnt die Haselnussblüte erst Ende Februar. Beobachtungen aus den vergangenen Jahren reichen nicht aus, um den aktuellen Grad der Exposition gegenüber allergenen Partikeln zu kennen. Darüber hinaus können sehr schnelle Veränderungen durch den Einfluss des Wetters auf Pollenflug und -transport entstehen.

Gegenwärtig betreibt MeteoSchweiz mit 14 Messstationen das Nationale Pollenmessnetz. Worin wird sich das neue Messnetz genau unterscheiden?

Wir nutzen das Projekt, um die Position der Stationen zu optimieren und so das Gebiet besser abzudecken. Die Anzahl der Stationen war aufgrund der manuellen Zählarbeit mit dem Mikroskop stark eingeschränkt. Mit rund 20 Messstationen erwarten wir eine bessere Abdeckung in bestimmten Regionen, z.B. im Tessin oder in den dicht besiedelten Gebieten des Mittellandes.

Was sind Schwierigkeiten bei der Entwicklung dieses Pollenmessnetzes und wie werden diese gelöst?

Wir arbeiten mit der neuesten Technologie und versuchen, das volle Potenzial neuer Messsysteme auszuschöpfen. Zusammenarbeit ist das ideale Instrument, um robuste Resultate zu erzielen: MeteoSchweiz koordiniert ein europäisches Programm zur automatischen Pollenmessung (26 Partner). Da Pollen nicht an Grenzen Halt machen, ist es möglich, durch Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn bei Pollenmessungen und -vorhersagen bessere Informationen über das Staatsgebiet zu liefern.

Ein kurzer Blick in die Zukunft. Wie wird uns das neue Messnetz helfen?

Dieses Netzwerk ist eine Fortsetzung des von Schweizer Ärzten entwickelten manuellen Pollenmessnetzes. Sie wird daher weiterhin Menschen mit Atemwegsallergien und ihren Ärzten dienen, mit dem Mehrwert genauer Informationen über die aktuelle Situation und besserer Prognosen in der ganzen Schweiz.

Das neue Pollenmessnetz wird sicher eine Menge neuer Daten liefern. Wie sind diese nutzbar und wird die Öffentlichkeit daran teilhaben können?

Für die breite Öffentlichkeit werden die App und die Website von MeteoSchweiz lokale und aktuelle Informationen über die Pollenkonzentration in der Luft bieten. Die Genauigkeit der Pollenvorhersagen wird durch diese Echtzeit-Informationen erheblich verbessert. Auf der Grundlage dieser Informationen können Allergikerinnen und Allergiker ihre Aktivitäten besser planen und z.B. ihre Medikamenteneinnahme optimieren.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Weiterführende Informationen

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Comments (3)

  1. MeteoSwiss Fan, 09.07.2020, 19:00

    Danke für den informativen Blogpost, leider finde ich im den Informationen keine Timeline, An Anfang des Artikels tönt es als ob das Netz aktiv sein, am Schluss wird von der Zukunft geredet. Wann genau laufen die Echtzeitdaten nun in die App ?

    1. Ultimate, 10.07.2020, 10:32

      In der offiziellen Medienmitteilung unter " Weiterführende Informationen" ist eine grobe Timeline erwähnt. Erste Messstationen gehen 2021 in Betrieb.

    2. MeteoSwiss, 10.07.2020, 11:18

      Guten Tag

      Die ersten Stationen werden für die Pollensaison 2021 bereit sein, operationell sein soll das gesamte Netz wird ab 2022.

      Sie finden unter "Weiterführende Informationen" Links zur Medienmitteilung und dem Factsheet.

      Mit freundlichen Grüssen
      MeteoSchweiz