80 Jahre MeteoSvizzera Locarno-Monti

Date of publication 28 April 2015
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Weather
Type Press release

Vor 80 Jahren, am 1. Mai 1935, wurde von Locarno-Monti die erste Wetterprognose ausgestrahlt. Seither betreibt das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz auf der Alpensüdseite einen Regionalsitz. Das Regionalzentrum Süd überwacht die Atmosphäre, erstellt Wetterprognosen und forscht, hauptsächlich auf dem Gebiet der Radarmeteorologie.

Am 1. Mai 1935 veröffentlichte das neue Tessiner Osservatorio meteorologico e bioclimatico den ersten Wetterbericht für die Südalpen. Damit erweiterte der (1881 gegründete) nationale Wetterdienst seinen Aktionsradius auf die gesamte Schweiz. Das „Centro presagi“ (Prognosezentrum) wechselte im Laufe der Jahre mehrmals den Namen, doch für viele ist die „Wetterstation Locarno-Monti“ oder kurz „Locarno-Monti“ bis heute die zuverlässige Quelle für Wetterprognosen für das Tessin und die benachbarten Regionen. Die 30 Angestellten auf dem Hügel über Locarno sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines der fünf Standorte des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz.

Wettervorhersagen für den südlichen Alpenraum, aber nicht nur

Von Locarno-Monti aus wird die gesamte Alpensüdseite (Tessin einschliesslich Valposchiavo, Bergell, Misox, Calancatal und Münstertal) mit dem Engadin meteorologisch überwacht. Hier werden täglich die Wetterprognosen für die genannten Regionen erstellt und bei Bedarf Unwetterwarnungen an die Bevölkerung und die zuständigen Behörden ausgegeben. Der Aktionsradius des meteorologischen Zentrums als verantwortliche Stelle für die Ausarbeitung aller Wetterprognosen und Informationen in italienischer Sprache erstreckt sich von Locarno-Monti indirekt auf die ganze Schweiz. Dadurch stehen die Dienste von MeteoSchweiz allen Italienisch sprechenden Einwohnern in ihrer Muttersprache zur Verfügung.

Pionier für Unwetterwarnungen

Zu den gesetzlichen Aufgaben von MeteoSchweiz gehören die meteorologische Überwachung und die Ausgabe der Unwetterwarnungen. Auf diesem Gebiet hat das Zentrum in Locarno-Monti auch im Anschluss an die tragischen Überschwemmungen von 1978 und dank der direkten und positiven Zusammenarbeit mit den Tessiner Kantonsbehörden schon früh eine Pionierrolle übernommen. In den zwei letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden nach und nach Warnkonzepte entwickelt und getestet, die anschliessend auf die gesamte Schweiz ausgedehnt wurden und bis heute angewendet werden. Das Zentrum von Locarno-Monti ist auf das sogenannte „Nowcasting“ spezialisiert: So heissen die 2-Stunden-Prognosen, die das Zentrum bei sich sehr rasch entwickelnden Wetterphänomene wie etwa bei der Entstehung von Sommergewittern mit Hagel oder beim Durchzug eines Sturmes erstellt.

Ohne Forschung und Entwicklung kein Fortschritt

Weniger bekannt ist wohl die lebhafte Forschungs- und Innovationstätigkeit des Regionalzentrums Locarno-Monti seit 1935. Die ersten Schwerpunkte bildeten die Bioklimatologie und die Untersuchung der Sonnenstrahlung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Experimente zum Schutz der Tabakplantagen vor Hagelschäden durchgeführt. Es folgten Studien und Forschungsarbeiten zur Wolkenphysik mit Schwerpunkt auf der Bildung von Niederschlägen und Hagel. In den 1970er Jahren wurde die Entwicklung von Wettersensoren vorangetrieben, welche die Grundlagen für das erste automatische Bodenmessnetz für die gesamte Schweiz lieferten. Als die ersten Wettersatelliten in Umlauf gesetzt wurden, begann man mit der bis heute aktuellen Verarbeitung und Weiterleitung ihrer Daten in Echtzeit an alle Prognosezentren. Heute steht jedoch die Radarmeteorologie im Zentrum der Forschung: Seit 1960 wird an der Verfeinerung der Verfahren zur Vorhersage von Niederschlägen in so stark unregelmässigem und komplexem Gelände wie den Alpen gearbeitet. Dass man heute mit jedem Smartphone die Entwicklung von Niederschlagsgebieten oder das Herannahen eines Hagelsturms oder von Schneefall verfolgen kann, ist auch dank der Arbeit von Locarno-Monti möglich. Von dort wird das Netz der 4 Wetterradarstationen in Echtzeit verwaltet (eine fünfte Station entsteht derzeit oberhalb von Davos). Derzeit laufen zahlreiche Forschungsarbeiten zum „Nowcasting“. Unter anderem wird versucht, die Informationen von Radarstationen, Satelliten, Bodenstationen und numerischen Modellen zu kombinieren, um sehr kurzfristige automatische Warnsysteme zu entwickeln. MeteoSchweiz Locarno-Monti ist dank seiner Forschungs- und Entwicklungstätigkeit im internationalen Netz der meteorologischen Forschungszentren gut positioniert und anerkannt. Deshalb erfüllt MeteoSchweiz die Rolle des offiziellen Schweizer Vertreters in wissenschaftlichen Gremien der internationalen meteorologischen Organisationen der Satelliten- und Radarmeteorologie.

Tage der offenen Tür in Locarno-Monti

Zum 80-jährigen Jubiläum organisiert das Regionalzentrum in Locarno-Monti im Oktober mehrere Tage der offenen Tür. Ausführliche Informationen werden in den kommenden Monaten im Internet veröffentlicht: www.meteosvizzera.ch.

Kontakt

MeteoSvizzera, Marco Gaia – Leiter Regionalzentrale Süd, marco.gaia@meteosvizzera.ch, T +41 79 251 77 05.