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Milder Südwestwind

4 January 2022, 3 Comments
Topics: Weather

Heute floss mit südwestlichen Winden sehr milde Luft zur Alpennordseite. Da zudem die Nacht bewölkt war und tagsüber zwischendurch sich die Sonne zeigte, wurden speziell am Juranordfuss und in der Innerschweiz für die Jahreszeit sehr hohe Temperaturen verzeichnet. In Basel beispielsweise wurde der absolute Januarrekord von 19.0 Grad um nur gerade 0.3 Grad verpasst.

Dieses Bild von der Halbinsel Au am Zürichsee hinterlässt einen sehr milden Eindruck - und der Eindruck täuscht nicht. Es wurden nämlich auch in der Region Zürich Höchsttemperaturen von bis zu 15 Grad verzeichnet. Bild: Daniel Gerstgrasser.
Dieses Bild von der Halbinsel Au am Zürichsee hinterlässt einen sehr milden Eindruck - und der Eindruck täuscht nicht. Es wurden nämlich auch in der Region Zürich Höchsttemperaturen von bis zu 15 Grad verzeichnet. Bild: Daniel Gerstgrasser.

Basel verpasst den absoluten Wärmerekord für den Monat Januar nur knapp

In Basel zeigte heute das Thermometer maximal 18.7 Grad an. Damit wurde der bisherige Höchstwert von 19.0 Grad vom 10. Januar 1991 nur knapp verpasst. Auch damals sorgten milde Südwestwinde für die abnorm hohen Temperaturen. Es kann in Basel im Winter allerdings noch wärmer sein, speziell im Februar wurde die 20 Grad - Marke schon des Öfteren geknackt. Der bisherige Höchstwert datiert von einem 23. Februar …. im längst vergangenen Jahr 1903. Laut alten Wetterkarten war auch damals eine milde Südwestlage für die fast "frühsommerlichen» Temperaturen verantwortlich.

Wer jetzt glaubt, dass in Basel im Winter Kälte nie ein Thema ist, muss hier eines Besseren belehrt werden. Am 22. Januar 1942 musste man sich in Basel bücken, um den genauen Tiefstwert am - damals noch verwendeten - Quecksilberthermometer abzulesen. Er betrug nämlich -24.1 Grad, was nun wirklich nicht als sehr mild bezeichnet werden kann.

Südwestwind milder als der Föhn

Interessant war heute zu beobachten, dass in Giswil und in Thun der Südwestwind höhere Temperaturen brachte als der Föhn in Altdorf. So konnten in Giswil und Thun rund 19 Grad gemessen werden, währendem das Thermometer in Altdorf «nur» einen Höchstwert von 17.1 Grad meldete.

Zuerst muss aber natürlich abgeklärt werden, ob es sich in Giswil tatsächlich um Südwestwind und nicht um den eigentlichen Föhn – den Hasliföhn handelte.  Dafür sprechen mehrere Gründe. Erstens herrschte in Giswil Südwestwind, obwohl Meiringen nicht die mindesten Föhnerscheinungen zeigte und selbst Guttannen am frühen Nachmittag föhnfrei war. Ausserdem setzte in Altdorf der Föhn erst um die Mittagszeit ein, als Giswil schon längst Südwestwind aufwies. Bei einer «normalen» Föhnlage setzt der Föhn immer zuerst in Altdorf und Meiringen ein, und - wenn überhaupt - erst viel später in Giswil. Ausserdem wurden beispielsweise auch in Frutigen im Berner Oberland mit mildem Südwestwind fast 18 Grad aufgezeichnet, dies an einer Station, die sehr selten eigentlichen Föhn verzeichnet.

Gründe für den weniger warmen (Süd-) Föhn

Normalerweise ist es so, dass der Föhn in den Alpentälern für die höchsten Temperaturen verantwortlich ist. Im aktuellen Fall handelt es sich aber um einen seichten Föhn. Bei einem sogenannten seichten Föhn überfliessen die Kaltluftmassen der Alpensüdseite die niedrigen Alpenpässe und lösen besonders im Reuss- und Rheintal Föhn aus. Er ist aber in diesem Fall trotz trockenadiabatischer Erwärmung nicht ganz so warm wie der milde Südwestwind auf der Alpennordseite.

Ausserdem steigt ja auch der Südwestwind - speziell in der Innerschweiz und im Berner Oberland - aus höheren Luftschichten ab und wird dadurch eine höhere Temperatur aufweisen als der «gewöhnliche» Südwestwind im Mittelland. Man redet denn auch speziell in der Innerschweiz von Westföhn - weil die Luft entlang der Voralpen abgleitet und dadurch sich trockenadiabatisch erwärmt, wobei auch die Luftfeuchtigkeit meist auf unter 50 % sinkt. Damit weist dieser Südwestwind gewisse föhnähnliche Erscheinungen auf, was ihm den Namen «Westföhn» verleiht hat.

Südwestwind war auch teilweise stürmisch

In den Bergen steigerte sich der Südwestwind teilweise zum eigentlichen Sturm. Die höchste Windspitze wurde auf dem Säntis mit 137 km/h abgelesen. Sonst bewegten sich die Böenspitzen auf den Voralpengipfeln zwischen 100 und 120 km/h. Im Jura wurden auf den Gipfeln rund 80 bis 100 km/h gemessen. Den Höchstwert im Jura wurde allerdings nicht in Lagen über 1500 Metern, sondern - wie bei Südwestwind nicht selten zu beobachten - in Rünenberg verzeichnet, wo der Windmesser maximal 102 km/h anzeigte.

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Comments (3)

  1. Chris, 04.01.2022, 22:43

    Am Untersee gab es um ca. 14h einen etwa einstündigen Windpeak mit teils heftigen Böen um 70kmh - davor und danach wars eher brav.

  2. Michael P, 04.01.2022, 19:11

    Situation im Herkunftsgebiet der Luftmassen?

    Gab es denn dort ebenfalls Temperaturen knapp unter einer Rekordmarke? Ist die Situation am Atlantik aussergewöhnlich warm?

    1. MeteoSwiss, 04.01.2022, 22:33

      Guten Abend Michael
      Das Herkunftsgebiet der Luftmassen, welche uns heute Vormittag erreichten, liegt in den Subtropen, wo für die Jahreszeit nicht unübliche Temperaturen herrschten.
      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz