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"Iiszapfechalt"

13 January 2022, 7 Comments
Topics: Weather

Damit lässt sich das Temperaturempfinden von heute Morgen wohl passend beschreiben. Im heutigen Blog schauen wir uns aber nicht nur die tiefen Minimumtemperaturen an, sondern gehen auch dem Phänomen Eiszapfen nach und wagen ein Erklärungsversuch für ihre Entstehung und ihr Aussehen.

Frostiger Morgen in Einsiedeln.
Frostiger Morgen in Einsiedeln. Bild: M. Ruosch

Wetterlage

Enlargement: Bodenwetterkarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von heute Morgen 06 UTC.
Bodenwetterkarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von heute Morgen 06 UTC.
DWD

Die Schweiz befand sich heute am Südostrand eines kräftigen Hochdruckgebietes über Mitteleuropa. Der Flughafen Zürich-Kloten meldete heute einen Luftdruck von 1040 hPa. Auch in der Höhenwetterkarte liegt ein Hochdruckgebiet über weiten Teilen von Grossbritannien und Mitteleuropa. Darum herum wird ein sehr starker Jetstream geführt, der auch heute wieder Windgeschwindigkeit bis 260 km/h erreichte. Die Sondierung vom Mittag zeigt eine östliche bis nordöstliche Strömung in allen Höhenlagen.

Wetter auf der Alpennordseite

Enlargement: Blick vom Hoch-Ybrig Richtung Zentralschweiz.
Blick vom Hoch-Ybrig Richtung Zentralschweiz.
Bild: T. Schlegel.

Besonders in denjenigen Regionen, wo die Nacht weitgehend klar über die Bühne ging, fühlte sich der heutige Morgen sehr kalt an. Die Minimumtemperaturen lagen etwa am Nordrand der Schweiz bei -5 Grad. In den wolkenfreien Alpentälern bei rund -10 Grad. Am bekannten Kältepol La Brévine war es heute Morgen deutlich weniger kalt als noch gestern. So wurde heute eine Minimumtemperatur von -18.8 Grad gemessen. Gestern war es dort noch -26.8 Grad kalt. Die Hochnebelfelder erstreckten sich besonders den Voralpen entlang sowie über das angrenzende Mittelland. Eine Ausnahme bildete das Aaretal und die Stadt Bern. Dort war es bereits ab dem Morgen sonnig. Die Hochnebelfelder lösten sich im Laufe des Vormittages an den meisten Orten auf. Einzig in der Zentralschweiz blieben die Hochnebelfelder hartnäckig. Die Höchsttemperaturen erreichten auf der Alpennordseite rund 2 Grad.

Wetter auf der Alpensüdseite

Enlargement: Webcam-Bild vom Matro oberhalb von Biasca.
Webcam-Bild vom Matro oberhalb von Biasca.
www.roundshot.com

Die Nacht war auch auf der Alpensüdseite frostig und die Minimumtemperaturen lagen verbreitet unter 0 Grad. An den Stationen Magadino und Stabio lag die Temperatur heute Morgen bei -6 Grad. Etwas weniger kalt war es in erhöhten Lagen. So etwa auf dem Cimetta (1661 m ü. M.) mit -0.2 Grad. Wolken suchte man heute auf der Alpensüdseite vergeblich. Die Höchsttemperaturen bewegten sich zwischen 6 und 9 Grad.

Eiszapfen

Die Inspiration für den heutigen Blogbeitrag bekam die Bloggerin auf einer Wanderung auf der Rigi. Entlang des Panoramawegs zwischen Rigi-Scheidegg und Rigi-Kaltbad wuchsen zahlreiche Eiszapfen, beinahe ganze Eisfälle herab. So lag die Frage nahe, wie entstehen eigentlich solche Eiszapfen und wieso haben viele davon an ihrer Oberfläche so eine gerippelte Struktur?

Die Beantwortung dieser Frage scheint gar nicht so trivial zu sein, wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag. Grundsätzlich braucht es für die Eiszapfenbildung zwei Zutaten: Temperaturen unter 0 Grad und das Vorhandensein von flüssigem Wasser. So kann etwa die Sonnenstrahlung den noch vorhandenen Schnee auf einem Hausdach schmelzen, dieser fliesst dann das schräge Hausdach hinunter und friert am Dachabschluss, wo der Kontakt zur kalten Luft am grössten ist, an. Die nachfolgenden Tropfen ereilt das gleiche Schicksal. Die spitz zulaufende Form ergibt sich dadurch, dass nicht alle Tropfen das Ende des Zapfens erreichen, sondern vorher festfrieren. Bei den Eiszapfen an der Rigi tropfte das Wasser aus dem etwas wärmeren Erdboden und gefror beim Kontakt mit der kalten Luft.

Grössere Rätsel gibt den WissenschafterInnen die unregelmässige Oberfläche von Eiszapfen auf. Ein internationales Team von WissenschafterInnen (u. a. von den Universitäten Toronto und Calgary) ist diesem Phänomen auf die Spur gegangen. Sie züchteten unzählige Eiszapfen im Labor und stellten dabei fest, dass die Oberflächenstruktur mit dem Grad der Verunreinigung des Wassers einherging. So wiesen Eiszapfen aus reinem destilliertem Wasser kaum Rippelbildung auf. Wohingegen sich milchigere stark gerippelte Eiszapfen durch die Zugabe von Salz zum Wasser züchten liessen. Das würde auch erklären, warum die Eiszapfen in der Rigi-Region, die vor allem an Böschungen entstanden sind, wo Wasser aus der Erde austritt, stark gerippelt sind (vgl. Bild unten). Das Wasser, welches aus dem Erdreich austritt dürfte stark mit Salzen oder anderen Nährstoffen angereichert sein.

Enlargement: Eiszapfen an einer Böschung. Gut zu sehen ist die unregelmässige Struktur der Oberfläche.
Eiszapfen an einer Böschung. Gut zu sehen ist die unregelmässige Struktur der Oberfläche.
Bild (nicht heute entstanden): M. Flubacher

Genug Gefrorenes!

Wen es nach diesen ganzen Ausführungen etwas fröstelt, der führe sich folgende Twittermeldung des Bureau of Meteorology, Western Australia zu Gemüte. Dort wurde heute der Allzeit-Temperaturrekord von 50.7 Grad egalisiert. Und zwar in der Stadt Onslow an Australiens Westküste.

Enlargement: Twittermeldung des Australischen Wetterdienstes.
Twittermeldung des Australischen Wetterdienstes.
Bureau of Meteorology, Western Australia

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Comments (7)

  1. Marco, 13.01.2022, 23:52

    Warum hat es trotz so hohem Luftdruck, langen Nächten und wenig Wind so wenig Nebel? Fördert starke Subsidenz nicht die Nebel Bildung? Oder ist es selbst in tiefen Schichten so trocken, dass die Luft gar nicht bis zum Taupunkt abkühlen kann?

    1. MeteoSwiss, 14.01.2022, 05:05

      Guten Morgen Marco,

      Wie Sie richtig vermuten, fehlte in der Grundschicht die nötige Feuchte. Des Weiteren hatten wir in den vergangenen Tagen dank der Bise noch eine höhere Inversionsuntergrenze, unter der sich jeweils in der Nacht eine dünne Hochnebelschicht ausbreiten konnte, jedoch eben nicht Bodennebel. In den kommenden Tagen kann sich in der Nacht Nebel bilden. Die Grundvoraussetzungen sind allerdings nicht allzu günstig. Dies, weil der Boden relativ trocken ist und zudem nachts infolge der tiefen Temperaturen sich jeweils die Feuchtigkeit in Form von Reif ablagert.

      Freundliche Grüsse,
      MeteoSchweiz

  2. georg ulmer, 13.01.2022, 19:18

    Was sind dann die tiefsten Temperaturen die in Onslow oder generell in West Australien gemessen werden?
    Danke für die spannenden Blos. LG

    1. MeteoSwiss, 13.01.2022, 19:40

      Guten Abend Herr Ulmer. Die tiefste Temperatur, welche je in Western Australia gemessen wurde, ist -7.2 Grad am 17.8.2008. Mehr zu Rekorden in Australien auf der Website des BOM: http://www.bom.gov.au/climate/extreme/records.shtml
      Beste Grüsse, MeteoSchweiz

  3. Christoph, 13.01.2022, 18:18

    Ensteht die Unregelmässigkeit der Eiszspfen nicht gerade durch die Wassertropfen die unterwegs fest frieren? Da nicht alle Tropfen an derselbe Stelle anfrieren, wird der Eiszapfen unregelmässig (analog einer Kerze, die mehrmals überläuft).

    1. MeteoSwiss, 13.01.2022, 18:45

      Guten Abend Christoph, ja das ist so. Auch die Reinheit des Wassers spielt eine Rolle. Je reiner das Wasser, desto weniger Unregelmässigkeiten treten an der Oberfläche der Eiszapfen auf. Beste Grüsse, MeteoSchweiz

  4. Corina, 13.01.2022, 17:50

    Merci für die Eiszapfenerklärung :) und sowieso Kompliment für den Blog