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Erste Ladung Schnee

31 January 2022, 5 Comments
Topics: Weather

Wie angekündigt hat sich zum Wochenbeginn eine Nordwestlage eingestellt. Mit einem Tief, das von der Nordsee über Deutschland Richtung Adria zog, setzten die Niederschläge auf der Alpennordseite ein und wurden am Alpennordhang zunehmend gestaut. Im Tagesverlauf sank die Schneefallgrenze teilweise bis in die Niederungen ab. Begleitet wurde das Ereignis von einer starken, in der Höhe stürmischen West- bis Nordwestströmung. Auch auf der Alpensüdseite verstärkte sich der Nordwind.

Die Sonne blinzelt zwischen den Wolken beim Aufstieg zum «Hotel Weisshorn», der Westwind bläst den Schnee über die Gipfel hinweg. Foto: Thomas Schlegel
Die Sonne blinzelt zwischen den Wolken beim Aufstieg zum «Hotel Weisshorn», der Westwind bläst den Schnee über die Gipfel hinweg. Foto: Thomas Schlegel

Bahn frei für die Fronten

Nachdem gestern ein Zwischenhoch für freundliches und stabiles Wetter sorgte, stellte die Strömungs- und Wetterlage zum Wochenbeginn drastisch um.
Ein Tief zog im Tagesverlauf von der Nordsee über Deutschland hinweg in Richtung Adria. Ein darin eingelagertes Frontensystem erfasste in den Morgenstunden die Alpennordseite. Bis am Mittag blieb es in den Alpen trotz dichterer Bewölkung mehrheitlich trocken, weil die Strömung zunächst noch westliche Richtung aufwies und die Niederschläge sich nur langsam südwärts ausdehnten.

Enlargement: Situation über Mitteleuropa am 31.01.2022, 9 UTC: Überlagerung von Satelliten-, Radarbild und Geopotential auf 500 hPa.
Situation über Mitteleuropa am 31.01.2022, 9 UTC: Überlagerung von Satelliten-, Radarbild und Geopotential auf 500 hPa.
Quelle: MeteoSchweiz

Am Nachmittag drehte die Strömung in allen Höhenlagen auf Nordwest und führte etwas weniger feuchte, aber kältere Polarluft zur Alpennordseite. Dies hatte zur Folge, dass die Schneefallgrenze von ca. 700 Metern bis in die Niederungen sank.
Am Flughafen Zürich-Kloten wurde um die Mittagszeit Schnee-Regen beobachtet, was bedeutet, dass die Schneefallgrenze bei ca. 420 Metern angekommen war.
Bis am Abend blieben die Neuschneemengen nördlich der Alpen aber noch bescheiden. Oberhalb von 800 Metern wurden kaum mehr als 5 bis 10 cm registriert.

Im Süden zeigte sich der Himmel ganztags oft wolkenlos. Zunächst blieben die Temperaturen noch verhalten unter 10 Grad bis der Nordwind wieder durch die Täler griff, so dass bis am frühen Nachmittag 12 bis 14 Grad erreicht wurden.

Enlargement: Blick von Cugnasco am Südhang über die Magadinoebene noch bevor der Nordwind durchgriff. Die Trübung ist teils auch vom Waldbrand vom Monte Gambarogno herrührend.
Blick von Cugnasco am Südhang über die Magadinoebene noch bevor der Nordwind durchgriff. Die Trübung ist teils auch vom Waldbrand vom Monte Gambarogno herrührend.
Foto: Joël Fisler

Teils stürmisch

Nicht nur der Niederschlag war heute prägendes Wetterelement, auch der Wind machte sich recht deutlich bemerkbar.
Auf der Alpennordseite erreichte der Westwind bereits in der zweiten Nachthälfte am nördlichen Jura, sowie auf den Voralpen- und Alpengipfeln Windspitzen von 70 bis 90 km/h. Am Morgen griff der Wind auch in den Niederungen der Alpennordseite mit Böenspitzen von 40 bis 60 km/h, in leicht erhöhten Lagen sogar bis 80 km/h durch. Über den Alpen und den Jurahöhen erreichte der Wind am Nachmittag Windgeschwindigkeiten von 110 bis 140 km/h.
Mit dem Druckanstieg wurden am frühen Nachmittag auch in den nördlichen Alpentälern teilweise  Böen über 90 km/h gemessen. Am stärksten in Altdorf mit 113 km/h und in Quinten mit 98 km/h.

Enlargement: Höchste Windgeschwindigkeiten an den SwissMetNet-Stationen in km/h am 31.01.2022 bis 16 UTC
Höchste Windgeschwindigkeiten an den SwissMetNet-Stationen in km/h am 31.01.2022 bis 16 UTC
Quelle: MeteoSchweiz

Vergleich vom aktuellen zu früheren Ereignissen

Sucht man in der Vergangenheit nach ähnlichen Wetter- bzw. Strömungslagen, so findet man beispielsweise 3 Zeiträume wo die Position des Jetstreams aus Nordwest direkt auf die Alpen gerichtet war:

29./30.01.1982
14.-16.01.1983
17.-22.12.1991

Der Fall vom 29./30.01.1982 war sehr aussergewöhnlich, damals wurden an einigen Stationen Rekord-Neuschneemengen registriert.

Enlargement: Höhenströmung auf ca. 9 km Höhe, dargestellt mit dem Starkwindband (Jetstream) und dem Geopotential am 29.01.1982, 12Z (links) und am 31.01.2022, 12Z (rechts)
Höhenströmung auf ca. 9 km Höhe, dargestellt mit dem Starkwindband (Jetstream) und dem Geopotential am 29.01.1982, 12Z (links) und am 31.01.2022, 12Z (rechts)
Quelle: MeteoSchweiz/ECMWF
Enlargement: Einige Neuschneemessungen am 30. Januar 1982 (links) und am 16. Januar 1983 (rechts) jeweils um 6 UTC. Die rot markierten Werte sind absolute Rekorde seit Messbeginn, die blau markierten sind Januarrekorde seit Messbeginn.
Einige Neuschneemessungen am 30. Januar 1982 (links) und am 16. Januar 1983 (rechts) jeweils um 6 UTC. Die rot markierten Werte sind absolute Rekorde seit Messbeginn, die blau markierten sind Januarrekorde seit Messbeginn.
Quelle: MeteoSchweiz

Im aktuellen Fall werden aber bis am Dienstagmorgen (1.2.) nicht so hohe Neuschneemengen innert 24 Stunden erwartet wie im Rekordfall vom 30.01.1982. Damals lag die Schweiz auf der warmen Seite des Jets, damit war der Wassergehalt in der Luftmasse höher, als im aktuellen Fall. Der ebenfalls gezeigte Fall vom 16.01.1983 wird näher am aktuellen Fall liegen, da die Position des Jets und der Feuchteadvektion Ähnlichkeiten aufweist.

Schneehauptphase in den Alpen

Die grösseren Neuschneemengen werden in den Alpen (nach einer vorübergehenden kurzen Abschwächung) von Dienstagabend bis Mittwochabend erwartet. Dann liegt der Alpenraum auf der warmen Seite des Jetstreams und die Schneefallgrenze steigt von 800 Metern am Ende des Ereignisses bis gegen 1400 Meter an. Mit der weiterhin starken nordwestlichen Höhenströmung werden am Alpennordhang oberhalb von 1500 Metern nochmals 40 bis 80 cm Neuschnee erwartet.

Enlargement: Berechnete Neuschneemenge vom 01.02.2022, 18 UTC bis am 02.02.2022, 18Z des Modells COSMO 2E (links) und des IFS-ECMWF (rechts).
Berechnete Neuschneemenge vom 01.02.2022, 18 UTC bis am 02.02.2022, 18Z des Modells COSMO 2E (links) und des IFS-ECMWF (rechts).
Quelle: MeteoSchweiz/ECMWF

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Comments (5)

  1. Peter Osterwalder, 01.02.2022, 10:09

    Herzlichen Dank für die tollen Infos. Anfangs Februar 1983 haben wir als Lagerleiter in Churwalden die Lawinengefahr knapp heil überstanden. Unser ganzes Lager war auf dem Sessellift Pradaschier, als eine Jahrhundert-Lawine vom Faulhorn- Stätz losging. Die Rettung vom Lift dauerte ca. 2h und anschließende Evakuation ins Zivilschutzzentrum Churwalden.
    Herzlichen Gruss
    Peter Osterwalder

  2. Kurt Zwicky, 31.01.2022, 20:31

    hallo zämä, danke für die super blogs.immer pünktlich,und sehr informativ.wen man sich auf wetterzentrale.de archiv klimadaten, die alten karten so anschaut.glaubt mans kaum. 80cm bis chur damals, wauu..
    verwundert mich schon, so auf der warmen seite des jets,ich denke die vorhandene kaltluft und wenig wind,mit talabkühlung und intensivem niederschlag.waren entscheidend.am 29/30.1.1982 waren die isobaren auch weiter auseinander. was meint ihr zu meiner theorie?wird knapp nacht auf mittwoch 2.2.2022 im Nicht inneralpinen glarus süd. reichts bei uns auch noch länger für schnee bis runter?(wind)? bin in schwändi 8762 glarus süd zuhause. danke
    meine davis misst heute bisher 15,8mm als schnee schneeregen und seit.18uhr flockigerschneefall wenig windgraupel noch dabeii.aber erst 5-8cm neuschnee. war leider noch lange positve temp.

    1. MeteoSwiss, 01.02.2022, 07:20

      Guten Tag Herr Zwicky,
      Herzlichen Dank für Ihr positives Feedback! Was Ihre Theorie zum Ereignis 1982 anbelangt können wir an dieser Stelle auf die Schnelle nicht eingehen. Es werden zum aktuellen Ereignis aber sicher noch weitere Informationen/Analysen folgen. Was Ihre Prognosefrage anbelangt beachten Sie bitte unsere untenstehende Antwort an Herrn Boss.
      Besten Dank für Ihr Verständnis und freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

  3. Remo Boss, 31.01.2022, 18:44

    Vielen Dank für den super Bericht! Wird der Niederschlag auch weiterhind gut in die inneren Alpen (Mittelbünden) durch den Wind transportiert? Steigt die Schneefallgrenze inneralpin wieder verzögert?

    LG Remo

    1. MeteoSwiss, 01.02.2022, 06:44

      Guten Tag Herr Boss,
      Besten Dank für Ihr Kompliment! Bitte beachten Sie, dass wir im Blog keine Wetterprognosen ausgeben können. Beachten Sie dazu auch unsere Netiquette: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/aktuell/meteoschweiz-blog/netiquette.html. Konsultieren Sie bitte die Prognoseunterlagen auf der MeteoSchweiz Webseite oder die MeteoSwiss-App. Wenn Sie eine persönliche meteorologische Beratung wünschen wählen Sie bitte Tel. 0900 162 333 (kostenpflichtig, 24/7). Danke für Ihr Verständnis und freundliche Grüsse, MeteoSchweiz