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Das Hoch zieht sich zurück

27 January 2022, 5 Comments
Topics: Weather

Das Wetter war heute Donnerstag zwar nochmals hochdruckbestimmt, doch mehrten sich die Anzeichen, dass ein Wetterwechsel bevorsteht. In der Nacht auf Freitag erfasst eine erste Störung die Alpennordseite und sorgt zugleich für gewisse Fragezeichen. Die nächste Woche wird dann nicht weniger spannend. Mehr zu diesen Themen im heutigen Blog.

Wald in Beringen nach dem sich der Nebel am Vormittag gelichtet hatte. Foto: Melanie Flubacher
Wald in Beringen nach dem sich der Nebel am Vormittag gelichtet hatte. Foto: Melanie Flubacher

Nachlassender Hochdruckeinfluss

Das bis anhin wetterbestimmende Hochdruckgebiet hat sich im Laufe des Donnerstags vom Alpenraum Richtung Atlantik zurückgezogen. Nichtsdestotrotz sorgte es nochmals für einen verbreitet sonnigen Tag.

Enlargement: Satellitenbild (sichtbarer Kanal) überlagert mit Luftdruck auf Meereshöhe von Donnerstag, 27.1.2022 um 9 UTC. Über den Alpen bestimmt nochmals das sich zurückziehende Hoch das Wetter. Aus Norden nähert sich ein okkludierendes Frontensystem der Schweiz. Quelle: MeteoSchweiz, IFS
Satellitenbild (sichtbarer Kanal) überlagert mit Luftdruck auf Meereshöhe von Donnerstag, 27.1.2022 um 9 UTC. Über den Alpen bestimmt nochmals das sich zurückziehende Hoch das Wetter. Aus Norden nähert sich ein okkludierendes Frontensystem der Schweiz. Quelle: MeteoSchweiz, IFS

Am Vormittag teils dichte Cirren

Bereits am Morgen deutete sich jedoch an, dass da etwas im Busch ist. Denn ausserhalb der Nebelgebiete startete der Tag nicht mehr wolkenlos, sondern mit teils dichteren Cirren. Besonders dicht war diese hohe Bewölkung im Bereich einer Leewelle am Alpensüdhang, die im Tessin, den Bündner Südtälern und im Engadin für einen bedeckten Vormittag sorgte.

Enlargement: Bedeckter Vormittag im Oberengadin. Sicht von Sils Maria Richtung Silsersee und Maloja. Foto: Sils Maria Gemeinde, Roundshot
Bedeckter Vormittag im Oberengadin. Sicht von Sils Maria Richtung Silsersee und Maloja. Foto: Sils Maria Gemeinde, Roundshot

Im Flachland nochmals neblig

Im Mittelland und in der Nordwestschweiz sah man vom bevorstehenden Witterungswechsel am Morgen noch wenig. Der Nebel dehnte sich nämlich in der Nacht wieder aus. Wie schon am Mittwoch löste sich dieser aber vor allem im östlichen Mittelland am Vormittag relativ rasch auf, bis am Nachmittag dauerte es im zentralen Mittelland und am Genfersee. Im Seeland und teils am Jurasüdfuss hielten sich bis Redaktionsschluss des Blogs Hochnebelreste.

Enlargement: Tiefer Hochnebel über der Halbinsel Au am Donnerstagvormittag von Meilen aus gesehen. Foto: Christa Hayoz
Tiefer Hochnebel über der Halbinsel Au am Donnerstagvormittag von Meilen aus gesehen. Foto: Christa Hayoz

Sonst nochmals meist sonnig

Abgesehen von den vormittäglichen Cirren liess sich die Sonne ausserhalb der Nebelgebiete nochmals bis am Abend geniessen. In den Bergen ging die Temperatur zwar leicht zurück, blieb aber vorerst noch mild.

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Schwache okkludierende Front in der Nacht

Am Abend nähert sich aus Norden eine schwache, okkludierende Front. Die Bewölkung nimmt dadurch auf der Alpennordseite im Laufe des Abends zu und in der Nacht ist zeitweise mit meist schwachem Niederschlag zu rechnen, Schwerpunkt entlang des zentralen und östlichen Alpennordhangs. Knifflig vorherzusagen ist die Niederschlagsform. Diese könnte je nach Region in Form von Schnee, Regen oder lokal sogar in Form von gefrierendem Regen sein.

Enlargement: Regionen mit möglichem gefrierendem Regen heute Abend und in der Nacht gemäss dem Wettermodell IFS HRES. Quelle: MeteoSchweiz, ECMWF
Regionen mit möglichem gefrierendem Regen heute Abend und in der Nacht gemäss dem Wettermodell IFS HRES. Quelle: MeteoSchweiz, ECMWF

Die Gefahr von gefrierendem Regen ist vor allem in den Regionen gegeben, wo sich der Nebel bis am Abend nicht vollständig oder erst spät aufzulösen vermochte, und ein Kaltluftsee mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bis zum Eintreffen der Störung zurückbleibt. Möglich ist auch, dass die Temperatur nach dem Sonnenuntergang nochmals unter 0 Grad fällt, bevor die zunehmende Bewölkung einen weiteren Temperaturrückgang verhindern kann.

Enlargement: Vertikalprofil des Wettermodels COSMO-1E von heute Abend 23 Uhr Lokalzeit im Raum Solothurn. Das Modell prognostiziert bei Niederschlagseinsatz kurzzeitig eine bodennahe Schicht mit noch negativen Temperaturen. Quelle: MeteoSchweiz
Vertikalprofil des Wettermodels COSMO-1E von heute Abend 23 Uhr Lokalzeit im Raum Solothurn. Das Modell prognostiziert bei Niederschlagseinsatz kurzzeitig eine bodennahe Schicht mit noch negativen Temperaturen. Quelle: MeteoSchweiz

Weil die Temperatur oberhalb der kalten bodennahen Schicht, das heisst zwischen etwa 800 und 1500 Metern, anfangs im positiven Bereich liegt, kann es sein, dass der fallende Schnee in Regen übergeht und am Boden wieder gefriert. Ob es in der kommenden Nacht tatsächlich zu gefrierendem Regen kommt, muss relativ kurzfristig beurteilt werden. Denn nebst der Niederschlagsform ist auch unsicher, wie viel Niederschlag die schwache Störung überhaupt bringen wird. Auf jeden Fall empfiehlt es sich am Abend und in der Nacht bei Regen oder Nieselregen vorsichtig unterwegs zu sein, die Böden und Strassen könnten nämlich zu Beginn noch negative Temperaturen aufweisen.

Dynamische Nordwestlage ab Montag

Das bevorstehende Wochenende dürfte mit «Störungsstreifschüssen» zwar veränderlich, aber noch vergleichsweise ruhig und besonders am Samstag freundlich ablaufen. Ab Montag scheint sich dann eine womöglich mehrtätige und sehr dynamische Nordwestlage einzustellen.

Der Startschuss erfolgt am Montag durch ein Randtief. Die Zugbahn des Tiefs ist zwar noch mit Unsicherheiten verbunden, die Modelle prognostizieren mittlerweile jedoch relativ beständig eine Verlagerung von Schottland in den Raum Tschechien/Slowakei. Nebst einer okkludierenden Front hat das Tief auch ein markantes Windfeld mit im Gepäck. Selbst in den Niederungen ist mit starkem, in erhöhten Lagen teils stürmischem Westwind zu rechnen.

In der Folge ist bis zur Wochenmitte ein kräftiger Jetstream oft direkt auf die Schweizer Alpen gerichtet und es wird wiederholt feuchte Luft zur Schweiz geführt. Am Alpennordhang ist staubedingt häufig, teils anhaltend mit Niederschlag zu rechnen, der durch die stürmischen Winde weit in die inneren Alpen verfrachtet wird. Die Schneefallgrenze bewegt sich mehrheitlich zwischen 500 und 800 Metern, sinkt am Montagabend und am Dienstag wahrscheinlich vorübergehend bis in tiefe Lagen.

Enlargement: Wahrscheinlichkeit für ≥30 cm Schneeakkumulation in 72 h zwischen Montag, 31. Januar, 00 UTC und Donnerstag, 3. Februar 2022, 00 UTC. Quelle: ECMWF
Wahrscheinlichkeit für ≥30 cm Schneeakkumulation in 72 h zwischen Montag, 31. Januar, 00 UTC und Donnerstag, 3. Februar 2022, 00 UTC. Quelle: ECMWF

Von Montag bis Mittwoch ist am Alpennordhang und in Nordbünden wahrscheinlich verbreitet mit 30 bis 60 cm Neuschnee zu rechnen. Die Niederschlagsmengen sind jedoch nach wie vor etwas unsicher und können schlussendlich tiefer oder auch höher ausfallen.

Enlargement: Wahrscheinlichkeit für ≥50 cm Schneeakkumulation in 72 h zwischen Montag, 31. Januar, 00 UTC und Donnerstag, 3. Februar 2022, 00 UTC. Quelle: ECMWF
Wahrscheinlichkeit für ≥50 cm Schneeakkumulation in 72 h zwischen Montag, 31. Januar, 00 UTC und Donnerstag, 3. Februar 2022, 00 UTC. Quelle: ECMWF

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Comments (5)

  1. Silvan, 28.01.2022, 09:24

    Liebes MeteoSchweiz-Team
    Ist bekannt, weshalb der Wetterradar auf dem Weissfluhgipfel derart überhöhte Niederschlagsechos im Zusammenhang mit der okkludierenden Front empfangen hat?
    Vielen Dank für die täglich spannenden Blogs und dass Sie sich die Zeit nehmen, auf die vielen Kommentare einzugehen! Das schätze ich beides sehr!

    1. MeteoSwiss, 28.01.2022, 09:32

      Guten Morgen Silvan,
      Herzlichen Dank für Ihr positives Feedback! Bei den Radarechos von vergangener Nacht handelt es sich um fehlerhafte Messungen. Das Problem konnte mittlerweile behoben werden, MeteoSchweiz ist allerdings noch am analysieren, wie es zu den Fehlern kommen konnte.
      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

    2. Remo Boss, 28.01.2022, 17:05

      Guten Tag

      Das war nicht nur bei meteoschweiz. Auch andere Apps wie RainToday hatte hohe Niederschlagssignale

  2. Tigerfell, 27.01.2022, 23:17

    Danke für die tollen Wetteraussichten, ich freue mich auf Wind und Bewegung, auch wenn ich es super fand, in Zürich so viel Sonne mit Kurzbesuch des Nebels geniessen zu können 😊. Momentan haben wir hier Eisregen, eure Infos sind wie immer top, herzlichen Dank 💐 und Lg!

  3. Heiligs Blechle, 27.01.2022, 19:08

    Bild 4, BU: ... "DER" Bernina ... !!
    Danke