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Auftakt zur Hochnebelpause

19 January 2022, 8 Comments
Topics: Weather

In den Alpen und auf der Alpensüdseite: sonnig. Wettertechnisch spannender verlief der heutige Tag nördlich der Alpen. Mit dem Windregimewechsel auf Südwest sank der Hochnebel ab und löste sich vielerorts auf. In der zweiten Tageshälfte näherten sich tiefe Wolkenfelder, welche den bevorstehenden Wetterwechsel ankündigten.

Hochnebelreste am Uetliberg. Foto: A. Stutz
Hochnebelreste am Uetliberg. Foto: A. Stutz

Schwächelndes Hoch

Das in den vergangenen Tagen wetterbestimmende Hoch hat sich unter Abschwächung allmählich Richtung Balkan verlagert. Damit drehte in der Nacht auf heute auch die Strömung von Nordost auf Südwest.

Enlargement: Druckverteilung und Fronten heute um 12 Uhr UTC. Während sich der Alpenraum noch unter Einfluss eines schwächelnden Hochs befand, machte sich über Grossbritannien und der Nordsee eine Kaltfront bemerkbar, welche uns in der kommenden Nacht erreichen wird.
Druckverteilung und Fronten heute um 12 Uhr UTC. Während sich der Alpenraum noch unter Einfluss eines schwächelnden Hochs befand, machte sich über Grossbritannien und der Nordsee eine Kaltfront bemerkbar, welche uns in der kommenden Nacht erreichen wird.

Hoher und tiefer Hochnebel

Der Richtungswechsel der Strömung machte sich in der Ober- und Untergrenze des Nebels bemerkbar. Gestern sorgte die Bise noch für ein allgemeines Ansteigen der Hochnebeldecke. So lag die Obergrenze um Mitternacht noch auf rund 1200 bis 1300 Metern. Mit der Winddrehung in der Nacht sank die Obergrenze im Laufe des Vormittags gegen 800 bis 900 Meter. Das Ansteigen und Absinken ist auch gut in den Ceilometer Messungen zu erkennen.

Mit einem weiteren Fernerkundungsinstrument, dem Windprofiler, wird ausserdem die Winddrehung kurz vor 2 Uhr gut ersichtlich. Hier am Beispiel von Schaffhausen:

Enlargement: Oben: Windfiedern über Schaffhausen (farbig = Windprofiler, schwarz= Sondierung Payerne, grau = Modelldaten). Unten: Ceilometermessung Hochfelden.
Oben: Windfiedern über Schaffhausen (farbig = Windprofiler, schwarz= Sondierung Payerne, grau = Modelldaten). Unten: Ceilometermessung Hochfelden.

Durch das Absinken und dem auffrischenden Südwestwind wurde die Auflösung des Hochnebels begünstigt. So setzte sich vor allem im zentralen und östlichen Mittelland vielerorts rasch die Sonne durch. Zäher blieb die Stratusbewölkung vor allem in der Region Bern und dem Jurasüdfuss entlang.

Tagsüber wurde von Frankreich her bereits wieder feuchtere Luft in Richtung Westschweiz geführt. Die damit verbundene Bewölkung reichte zu Beginn nur bis etwa 1400 m und konnte damit das Juragebirge in einer ersten Phase nicht überwinden. Im Laufe des Nachmittags stieg die Wolkenobergrenze allmählich an, unter anderem aufgrund zunehmender Hebung durch einen herannahenden Kaltlufttropfen (siehe nächster Abschnitt). Damit konnten die Wolkenfelder auch den Jura überwinden und breiteten sich in der Folge allmählich auf der Alpennordseite aus.

Enlargement: Vorübergehend sonnige Abschnitte über dem Bundeshaus. Die Station Bern / Zollikofen hat immerhin 1.1 h Sonnenstunden registriert Foto: J. Fisler
Vorübergehend sonnige Abschnitte über dem Bundeshaus. Die Station Bern / Zollikofen hat immerhin 1.1 h Sonnenstunden registriert Foto: J. Fisler

Dank einem Tropfen ein paar Flocken?

In der Frontenkarte am Anfang des Blogs ist ein wichtiges Element, welches in den kommenden Stunden auf das Wetter im Alpenraum Einfluss nimmt, nicht zu erkennen: Ein Kaltlufttropfen verlagert sich heute Abend von Frankreich zum Alpenraum. Gleichzeitig erreicht uns aus Norden ein markanter, sich amplifizierender Trog, womit der Kaltlufttropfen wieder in die Polarfront integriert wird.

Mit der Vereinigung dieser Wettersysteme sowie einer Kaltfront aus Norden, ist in der Folge verbreitet mit Schneefall zu rechnen. Dazu aber mehr im morgigen Meteoblog.

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Comments (8)

  1. Urs Imhof, 20.01.2022, 17:12

    ...wenn eine Front über Waldshut kommt die Schneefallgrenze sich wie eine Wölbung verhält.
    Je weiter weg vom Rhein je tiefer die Schneefallgrenze und je näher zum Rhein um so höher die Schneefallgrenze.
    Woher kommt das?
    Bitte um Antwort!

    1. MeteoSwiss, 20.01.2022, 18:51

      Lieber Herr Imhof. Darüber können wir nur mutmassen, ohne detaillierte Kenntnisse der lokalen Verhältnisse. Allerdings spielen dabei sicher orographische Phänomene als auch die Meereshöhe eine Rolle. Waldshut liegt an den Ausläufern des Hochschwarzwalds und allein diese Tatsache begünstigt, bei idealer Anströmung, eine intensivere Niederschlagstätigkeit als in der unmittelbaren Umgebung. Zudem steigt das Terrain gegen Norden rasch auf > 500 m ü.M. an. Dieser Geländeanstieg gibt es auch südlich des Rheins, wenn auch weniger hoch als gegen Norden. Diese Faktoren begünstigen einerseits die Niederschlagsintensität und zusätzlich bedingt durch die Höhenlagen eben auch mehr Schneefall als zuunterst am Rhein. Freundliche Grüsse MeteoSchweiz.

  2. Remo, 20.01.2022, 16:34

    Guten Tag

    Mich würde mal interessieren welche Regionen genau gemeint sind mit "zentrale und östliche Alpen entlang" zu was gehört z.b Mittebünden?

    1. MeteoSwiss, 20.01.2022, 17:59

      Guten Abend Remo
      Vielen Dank für die Frage zu den Prognoseregionen. Eine Übersicht ist auf unserer Webseite zu finden: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/wetter/prognosen/prognoseregionen.html
      Wenn wir schreiben «den östlichen Alpen entlang» beinhaltet dies auch Mittelbünden. Schreiben wir hingegen «dem östlichen Alpennordhang entlang» ist Mittelbünden davon ausgenommen. Im Wetterbericht für die Deutschschweiz unterscheiden wir im Wesentlichen das Berner Oberland, die zentralen Voralpen und Alpen (LU, NW, OW, UR, SZ) sowie die östlichen Voralpen und Alpen (GL, SG, GR, AR, AI).
      Beste Grüsse
      MeteoSchweiz

  3. Swen, 20.01.2022, 12:51

    Trotz dem kleinen Zwischentief, bleibt das Wetter sehr langweilig. Immer dieses Hochdruckwetter, welches oftmals nur Kälte und Nebel im Flachland bringt. Die Schneelage in den Bergen ist aufgrund des enormen Hochdrucklagen auch nicht mehr die Beste.

    1. Winterfan, 20.01.2022, 16:05

      In der Westschweiz scheint seit Anfang Jan. die Sonne und das Tessin ist staubtrocken. Nicht den Winter den ich kenne.

  4. David Neuenschwander, 19.01.2022, 20:55

    Guten Abend liebes Meteo-Schweiz Team.
    Es nähert sich eine Kaltfront der Schweiz, die uns in der Nacht überquert. Wo ist dann die Warmfront? Denn vor einer Kaltfront kommt ja meistens die Warmfront. Über eine Okklusion wird auch nicht geschrieben.
    Besten Dank für Ihre Antwort!
    Liebe Grüsse
    David
    (Freue mich über ein wenig Schnee mal wieder zur Abwechslung) (:

    1. MeteoSwiss, 19.01.2022, 22:17

      Guten Abend Herr Neuenschwander
      Die Realität ist manchmal ziemlich komplex und es ist nicht immer so, dass einer Kaltfront zwingend eine Warmfront vorausgehen muss. Gerade wenn das Zentrum des Tiefs relativ weit entfernt liegt, wie im aktuellen Fall, kann es sein, dass uns nur eine Kaltfront erreicht.
      Beste Grüsse
      MeteoSchweiz