Contents area

Beschwingt und verwirbelt

2 January 2022, 1 Comment
Topics: Weather

Nach einem farbenfrohen Start in den Tag konnte man auch tagsüber allerlei spannende Dinge am Himmel entdecken, zum Beispiel Wolken, welche die Schwingungen der Atmosphäre sichtbar machen oder grosse Wirbel im Mittelmeer. Auch neue Temperaturrekorde gibt es wieder zu vermelden.

Blick von der Baldegg Richtung Baden.
Blick von der Baldegg Richtung Baden.

Nachlassender Hochdruck

Das bisher wetterbestimmende Hochdruckgebiet verliert allmählich seinen Einfluss auf das Wetter in der Schweiz. Es ist ein Abschied in Raten. Heute Sonntag streifte uns eine wenig aktive Kaltfront, die richtig kalte Luft erreicht uns voraussichtlich erst im Laufe des Dienstags.

Markante Inversion

Die Nacht verlief grösstenteils klar und so setzte im Mittelland wieder Nebelbildung ein. Der Nebel war allerdings alles andere als hochreichend, die Obergrenze betrug rund 500 m ü. M und löste sich recht zügig auf (zuletzt am Jurasüdfuss und am Bodensee). Im seichten Kaltluftsee betrug das Temperaturminimum zwischen 0 und -3°C.

Enlargement: Ausschnitt Radionsondierung Payerne 1 Uhr; Temperaturverlauf Temperatur (durchgezogene Linie), Taupunkt (gestrichelte Linie) und Wind.
Ausschnitt Radionsondierung Payerne 1 Uhr; Temperaturverlauf Temperatur (durchgezogene Linie), Taupunkt (gestrichelte Linie) und Wind.

Damit bildete sich wieder eine markante Inversion aus mit einem Temperaturunterschied von rund 17 Grad zwischen Inversionsober- und Untergrenze. Den Minusgraden in 2 Metern Höhe im Mittelland standen rund 14°C auf 1300 Metern in der freien Atmosphäre gegenüber. In leicht erhöhten Lagen (z.B. St. Gallen oder Rünenberg) waren es milde 7 bis 9 Grad und auch auf dem Säntis war der Frost weit entfernt mit rund 4°C.

Blick von der Baldegg oberhalb Baden in Richtung Osten. 

Kaum aktive Kaltfront

Mit einer zunehmenden westlichen Höhenströmung wurde eine sich abschwächende und wenig aktive Kaltfront zur Schweiz geführt. Diese brachte in erster Linie zeitweise dichtere hohe und mittelhohe Bewölkung, aber kaum Niederschlag.

Am Jura sowie auf den Voralpengipfeln nahm ausserdem der Wind merklich zu. So wurden Böenspitzen von 75 bis 100 km/h registriert, auf dem Säntis sogar knapp 130 km/h.  

Beschwingt

Mit den in der Höhe zunehmenden Winden und einer Inversion in Kammniveau wurde die Atmosphäre über der Topographie in Schwingung versetzt. Die Wellenberge wurde stellenweise durch Altocumulus lenticularis – Wolken (auch bekannt als Föhnfische) sichtbar.

Neue Temperaturrekorde

Neue Rekorde gibt es bezüglich Maximum der Tagesminima (0 Uhr UTC bis 0 Uhr UTC Folgetag) zu vermelden.

Neue Winterrekorde (Dez./Jan./Feb.) wurden an folgenden Stationen erreicht: 

  • Grächen 4.4°C (Messung seit 1967),am 1.1.2022
  • La Dôle 9.0°C (seit 1973), am 1.1.2022
  • Evolène 6.6°C (seit 1986), am 31.12.2021

Neue Januarrekorde wurden (nebst den obengenannten Stationen) noch an folgenden Stationen registriert: 

  • Gütsch
  • Le Moléson
  • Chaumont
  • Chasseral
  • Grosser St. Bernhard
  • Cimetta
  • Berninapass
  • Sta Maria
  • Matro
  • Monte Generoso 
  • Robiei

Wie im gestrigen Blog beschrieben, wurde an der Station Cimetta mit 16.6°C auch ein neuer Winterrekord bei der Tageshöchsttemperatur gemessen. Normalerweise würde man ein solches Maximum an einem 28. Juni erwarten (Normperiode 1981-2010). 

Wirbel im Mittelmeer

Glücklicherweise keine Wirbelstürme, aber schöne grossräumige Wirbel wurden heute im Mittelmeer gesichtet. Dort lag in Bodennähe eine ausgedehnte feuchte und stabil geschichtete Luftmasse (markante Inversion um 800 m ü. M.). Beim Umströmen (gut sichtbar im Satellitenfilm) bildeten sich mit einer leicht zunehmenden Westströmung hinter Korsika und Sardinien Wirbel, welche durch die tiefe Bewölkung sichtbar wurden.  

Von zonal zu meridional

Die aktuell mehr oder weniger von West nach Ost ausgerichtete (zonale) Höhenströmung wird nächste Woche deutlich meridionaler. Das heisst die Strömung mäandriert über Mitteleuropa deutlich stärker. Mit der auf nördliche Richtung drehenden Anströmung wird deutlich kältere Luft zur Schweiz geführt. Da uns zeitweise auch Störungen erreichen, dürfen vor allem die Bergregionen der Alpennordseite zwar nicht mit übertrieben viel, aber immerhin mit nennenswertem Neuschnee rechnen.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.
Contact form

Comments (1)

  1. Dieter Neth, 02.01.2022, 22:23

    Ich war grad noch mal mit dem Hund draussen, als auf einmal ein eigenartig warmer Wind vom Hauensteinpass herunter zu wehen begann, Um 21:40 hatten wir noch 6 Grad in Trimbach, jetzt um 22:15 sind es sagenhafte 14 Grad! Die Station in Gösgen misst derweil lediglich 8 Grad.
    So warm ist es bislang in der Altjahreswoche-Hitzewelle noch gar nie gewesen.