Contents area

Weiterhin windig und kühl

14 May 2019, 9 Comments
Topics: Weather

Die Bise war heute wiederum das markanteste Wetterelement des Tages und sorgte dafür, dass sich das Wetter trotz vielerorts viel Sonnenschein nicht so behaglich anfühlte. Dass eine solch starke Bise nicht alltäglich ist, zeigt auch ein Blick in die Vergangenheit. Denn die während der vergangenen Nacht gemessene Böenspitze von 141.8 km/h bedeutet auf dem La Dôle sogar einen neuen Höchstwert für den Monat Mai.

Am späten Vormittag zeigten sich in Güttingen am Bodensee nebst dem Wellengang durch die kräftige Bise auch die ersten Wolkenfelder. Foto: Werner Nater
Am späten Vormittag zeigten sich in Güttingen am Bodensee nebst dem Wellengang durch die kräftige Bise auch die ersten Wolkenfelder. Foto: Werner Nater

Zwischen Hoch und Tief

Auf den ersten Blick gab es in der Grosswetterlage gegenüber gestern nur geringfügige Änderungen. Die Schweiz lag nach wie vor zwischen einem umfangreichen und kräftigen Hochdruckgebiet mit Zentrum über der Nordsee und einer Tiefdruckzone über dem Mittelmeer. Dementsprechend bestanden erneut grosse Druckunterschiede zwischen der Ost- und der Westschweiz sowie zwischen der Alpennord- und der Alpensüdseite. Diese Druckunterschiede waren auch, wie im gestrigen Blog erklärt, weiterhin dafür verantwortlich, dass im Mittelland eine kräftige Bise und im Tessin der Nordwind wehte. Insgesamt waren die Druckunterschiede jedoch etwas geringer als gestern.

Während der vergangenen Nacht verlagerte sich das Höhentief mit Zentrum über dem Ionischen Meer geringfügig südwärts, wodurch aus Nordosten trockenere Luft zur Schweiz gelangte. Die gestern auf der Alpennordseite noch ausgedehnten Wolkenfeldern lösten sich dadurch in der Nacht weitgehend auf und der Tag startete an den meisten Orten sogar fast wolkenlos. Inneralpin gab es am Morgen stellenweise noch dichte Bewölkung, die sich jedoch rasch in Quellwolken umwandelte.

Annäherung Kaltlufttropfen

In den östlichen Landesteilen dauerte es allerdings nicht lange und es machten sich bereits wieder die ersten Wolkenfelder bemerkbar. Dafür verantwortlich war ein Kaltlufttropfen, welcher sich von einem Höhentrog über Osteuropa abspaltete und mit einer nord- bis nordöstlichen Höhenströmung erneut feuchtere Luft zur Schweiz führte.

Im Laufe des Nachmittags wurde die Bewölkung besonders am Nordrand der Schweiz und gegen Osten hin sowie staubedingt den zentralen und östlichen Alpen entlang zunehmend dichter. Die Anfeuchtung fand jedoch vorerst nur in den höheren Luftschichten statt. In den unteren Schichten war die Luft sowohl im Norden durch die Bise als auch im Süden durch den Nordwind recht trocken.

Bis am Abend lag der Kaltlufttropfen über Österreich. Auf dem Niederschlagsradar waren über den östlichen Landesteilen die ersten schwachen Niederschlagsechos erkennbar.

Erneut kühl für die Jahreszeit

Die für die Jahreszeit nach wie vor kühle Luftmasse und die kräftige Bise sorgten dafür, dass die Temperatur auch heute keine grossen Sprünge machte. Nördlich der Alpen lagen die Höchstwerte trotz einiger Sonnenstunden bei 13 bis 16 Grad. Im Wallis wurden in Sion knapp 21 Grad erreicht. Ähnlich mild war es mit Nordwind im Tessin. Dort erreichten die Höchsttemperaturen ebenfalls Werte um 21 Grad.

La Dôle und Säntis

Auf La Dôle sorgte der Bisensturm in der zweiten Nachthälfte für eine Böenspitze von 141.8 km/h. Seit Messbeginn im Jahr 1981 wurde im Monat Mai auf La Dôle noch nie eine stärkere Böe registriert. Seit Sonntag weht nun auf La Dôle eine Bise mit einer mittleren Windgeschwindigkeit zwischen rund 70 bis 100 km/h und Böen bis 140 km/h. Die stürmische Bisenlage dauert noch bis morgen Abend an.

Zuletzt noch News vom Säntis. Seit vorgestern liegt dort so viel Schnee wie noch nie zuvor zu dieser Jahreszeit. Aktuell liegen dort mit 690 cm knapp sieben Meter Schnee. Die Messreihe reicht bis ins Jahr 1931 zurück. Das Jahr 2019 schnappte sich den Rekord vor allem aufgrund des schneereichen ersten Maidrittels und der kalten Witterung während der vergangenen Tage. Die kalten Tage konservierten den Schnee, während in anderen Jahren die kräftige Maisonne üblicherweise für eine starke Schneeschmelze und entsprechend für einen schnellen Rückgang der Schneehöhe besorgt ist.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.
Contact form

Comments (9)

  1. Linus Kempter, 15.05.2019, 21:44

    Hier im unteren Toggenburg, in Kirchberg SG, kann man bei Bisenwetter immer beobachten, dass die Bise im Laufe des Tages zunimmt, am Abend wieder abnimmt und während der Nacht schwächer ist als am Tag. Es nimmt mich schon lange wunder, warum das so ist. Es gibt ja hier keine Felswände, wie etwa im Wallis, die eine solche Thermik auslösen könnten.

    1. Elio Wildisen, 16.05.2019, 10:36

      Ich habe hierzu heute Morgen folgende Information von SRF Meteo gefunden. Nicht ganz so ausführlich wie jeweils hier im Blog, aber vielleicht dennoch interessant im Hinblick auf Ihre Frage.

      https://www.srf.ch/meteo/meteo-news/tagesgang-der-bise-wieso-blaest-die-bise-tagsueber-kraeftig-und-flaut-nachts-ab

      Liebe Grüsse, Elio

  2. Peter Bernet, 15.05.2019, 14:33

    Wenn ich richtig verstanden habe, dann ist ein Kaltlufttropfen
    das "abgenabelte Kind" von einem Höhentief?

    1. MeteoSwiss, 15.05.2019, 18:22

      Nicht ganz. Bei einem Kaltlufttropfen handelt es sich um ein Gebiet mir sehr kalter Luft in der Höhe. Im Gegensatz zu einem eigentlichen Höhentief sieht man in Bodennähe jedoch keine Anzeichen. Das heisst, es ist weder ein zyklonales (im Gegenuhrzeigersinn) Windfeld noch eine Vertiefung im Bodendruckfeld erkennbar. In vielen Fällen entsteht ein Kaltlufttropfen durch Abschnürung (Abspaltung) eines Höhentroges. Im Blog vom 13. April 2019 wurde das Thema Kaltlufttropfen behandelt. Siehe: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/aktuell/meteoschweiz-blog/meteoschweiz-blog-suche.subpage.html/de/data/blogs/2019/4/kaltluftropfen.html?query=Kaltlufttropfen&topic=%2Fcontent%2Fmeteoswiss%2Ftags%2Ftopics%2Fwetter&timerange=&dateFrom=&dateTo=&pageIndex=0&tab=search_tab

  3. Heinz Dieter Schrader, 15.05.2019, 09:34

    Ihre Seite ist einfach so aufschlussreich und dicht an der Realität.
    Einfach toll. Deutschsprachig gibt es meines Wissens keine Seite
    dieser Qualität.
    Ich wohne im Weserbergland; meine Frau ist momentan im Tessin
    und wollte am Sonntag über den Lukmanier (via Disentis). Konnte
    ihr schon am Samstag davon abraten, obwohl die Webcam "offene
    Strasse" zeigte. Alles dank dieser Seite.
    Grüsse und weiter so ...

    Heinz Dieter Schrader, D-32602 Vlotho; Disentis (GR); Morcote (TI)

  4. Urs Imhof, 15.05.2019, 09:06

    Für mich ist das nichts neues.
    Das mit dem kräftigen Wind kennen wir mittlerweile zu genüge weil es ist nur die Richtung die anders ist.
    Grund: Bei Gewitterlagen haben wir den genau gleich kräftigen Wind der einem das Blut gefrieren lässt.
    Daher bin ich gewappnet für den Rest der Woche.
    Viel Wind,wenig Niederschlag und mit viel,viel Glück doch noch ein Gewitter.
    Was in unserer Region ab Freitag dominiert ist der Flugverkehr da sie direkt über uns umgeleitet werden.
    Noch etwas ab Freitag bis zum Wechsel der Wetterlage werde ich mit Schmerzmitteln vollgepumpt sein.
    Grund: Bei jedem verhindertem Gewitter steigt der Druck im Kopf der die Schmerzen auslöst.

  5. Alexander Roehnisch, 15.05.2019, 08:45

    In den ersten 8 Tagen des Mai stieg die Schneehöhe soweit, wie in einem durchschnittlichen ganzen Wintermonat.

  6. Peter Sager, 14.05.2019, 22:55

    Vielen Dank, heute ging man auf mein Schreiben ein. Am 14.5.19 immer noch ein Schneefeld auf dem Brunni Alpthal auf 1050 Meter.
    https://www.brunnialpthal.ch/Wetter.aspx
    Auf der Glattalp hat es weiterhin fast 3 Meter Schnee auf 1800 Meter und der Gotthard Pass ist am 15.5.2019 noch immer geschlossen.
    Wann gab es dies zum letztem mal?

  7. Wolfgang, 14.05.2019, 22:14

    Ich ziehe auf die Alpensüdseite.