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Papa, was ist Wetter?

28 May 2019, 9 Comments
Topics: Weather

Mussten sie, lieber Blogleser, ihren Kindern auch schon einmal auf diese Frage antworten? Hier wird ihnen geholfen: Wir versuchen heute, mit einer kleinen Gutenacht-Geschichte für ihre liebsten Kleinen ein paar einfache Antworten auf diese Frage zu geben.

Leia ist sieben Jahre alt, und sie liebt es nach einem anstrengenden Schultag mit ihren Freunden kurz in die Badi schwimmen zu gehen. „Warum muss ich die dicke Regenjacke anziehen, jetzt ist doch bald Sommer!?“ fragte sie heute Morgen entnervt ihren Papa, als sie gerade ihre sieben Sachen für die Schule packte und aus dem Haus gehen wollte. „Schau mal aus dem Fenster, es regnet in Strömen und der Wetterbericht hat heute 15 Grad!“ schnauzte Papa zurück, ebenfalls entnervt, weil Leia wie immer viel zu spät dran war und beim Anziehen der Schuhe erst noch trödelte. „Was ist eigentlich dieses Wetter, von dem ihr dauernd redet?“ wollte Leia wissen. Papa versprach ihr, am Abend eine Antwort zu geben, jetzt sei keine Zeit dafür. Leia verabschiedete sich mit einem Kuss, schnappte sich ihren Scooter und flitzte um die Ecke Richtung Schulhaus davon.

1. Die Sonne: Der Motor des Wetters

Papa holt tief Luft und setzt, am Abend an Leia’s Kinderbett sitzend, zu einer langen und komplizierten Erklärung an: Unser kugelrunder Planet Erde darf jeden Tag im Licht der Sonne baden. So beginnt er mit leicht angestrengtem Blick in den Augen, sichtlich bemüht, einfache Worte zu wählen. Doch die wärmenden Sonnenstrahlen fallen nicht gleichmässig auf die Erde, denn diese dreht sich andauernd um ihre eigen Achse, wie ein Kreisel. Schau mal so, sagt er und zückt sein Handy aus dem Hosensack:  

Würden wir vom Mond herab auf die Erde blicken sähen wir, wie immer eine Hälfte der Erde von der Sonne beschienen und erwärmt würde, während es auf der anderen Hälfte finstere, kalte Nacht ist. Einmal in 24 Stunden dreht sich die Erde komplett um ihre Achse, dann fängt dasselbe Spiel wieder von vorne an. Und stell dir vor, so Papa weiter, das geht nun schon seit viereinhalb Milliarden Jahren so! „Viereinhalb Milliarden, so viel hat doch unser neues Auto gekostet?“ wirft Leia leicht irritiert ein. Nicht ganz, korrigiert Papa, aber fast … und er erzählt weiter.

2. Die Atmosphäre, unsere Luft

Das Wetter spielt sich in der Atmosphäre ab. Das ist eine dünne, verletzliche Luftschicht, welche die Erde umgibt. Es ist die Luft, die wir ein- und ausatmen und in der wir uns bewegen. In den Bildern oben ist sie vielleicht so dünn, wie der Zehennagel des Legomännlis. Wir müssen darum etwas näher an die Erde heran, um sie besser zu sehen, zum Beispiel auf einen Satelliten.

Luft, so erklärt Papa weiter, besteht aus winzig kleinen Teilchen. So klein, dass wir sie von Auge gar nicht sehen können. Und ein Teil dieser Teilchen ist Wasser. Leia glaubt ihrem Papa kein Wort, denn Wasser, fällt sie ihm ins Wort, gibt es in der Badi und in der PET-Flasche und im Wasserhahn, das sieht man doch! Erst als Papa sie an die Regenjacke erinnert, die sie am Morgen anziehen musste, und dass sie auf dem Heimweg von der Schule doch klitschnass war vom Regen erkannte sie, dass tatsächlich dieses Wasser vom Himmel fiel. Leia ärgert sich insgeheim darüber, dass Papa wieder einmal Recht hat, lauscht nun aber umso konzentrierter seinen Worten.

3. Die Wolken

Stell dir vor, fährt Papa fort, dein „Büürli“, das du so gern zum Frühstück isst, sei eine Quellwolke. Naja, genau genommen meint er ja nur den weichen Teil des Frühstück-Brötchens, den Leia jeweils mit Hingabe aus der Rinde herauskratzt, bis nur noch die leere Hülle übrig ist, die von Papa mit leichter Verachtung und mit einer dicken Schicht Butter getarnt anschliessend verspeist wird (er tut das natürlich bloss, um ein gutes Vorbild zu sein). Stell dir vor, du tunkst dein weiches Büürli im Wasserglas: Zuerst nimmt es das Wasser auf und wird nur leicht feucht. Tunkst du es weiter, wird es immer matschiger und irgendwann tropft das Wasser aus dem „Büürli“ raus – genauso entsteht auch der Regen! Als Papa seiner Tochter verspricht, dass sie das am nächsten Morgen beim Frühstück ausprobieren darf, schlüpft Leia unter ihrer Decke hervor, macht ein paar spontane Luftsprünge im Bett und stösst einen Jauchzer aus. Papa ermahnt sie sogleich, sich wieder hinzulegen und zu beruhigen, und es der Mama nicht zu erzählen.

Unsere "Büürli-Quellwolke" wird, um das Experiment einfach zu gestalten, von oben mit Wasser getränkt, bis sich "Übersättigung" einstellt. Anständiger wäre es, einen Schwamm zu verwenden, in unserer hochgradig digitalisierten Wetterzentrale war ein solcher während der Blog-Erstellung jedoch gerade nicht verfügbar.

„Aber was hat das alles mit der Sonne zu tun?“ fragt Leia. Das Wasser in der Luft, so Papa, steigt nicht freiwillig hoch in die Lüfte und lässt sich aus den Quellwolken ausregnen. Aber wenn tagsüber die Sonne scheint erwärmt sie mit ihren Strahlen den Erdboden. Die Luft, die über den warmen Boden streicht erwärmt sich nun ebenfalls und steigt auf, und mit ihr das in der Luft enthaltene Wasser. „Erinnerst du dich, wie kalt es in den Skiferien auf dem Berggipfel oben war?“ fragt Papa. Leia antwortet mit einem überzeugten „Ja, mir ist die Nasenspitze eingefroren!“. Als Papa ihr anschliessend erklären will, dass kalte Luft weniger Wasser aufnehmen kann, als warme, und es darum als Regen wieder auf den Boden hinabfällt, kann sie sich das zwar bildlich vorstellen, aber so richtig verstehen tut sie es nicht. Papa gibt zu, dass er es eigentlich auch nicht so richtig versteht, aber wenn Leia in der Schule immer gut zuhört und wenn sie nur genügend lange zur Schule ginge, dann würde sie es irgendwann sicher verstehen, meint er.

Das ist nicht die Antwort, die sie am liebsten hören will. Zum Glück fährt Papa ganz schnell weiter, als würde er auch lieber nicht mehr über diesen komplizierten Teil der Geschichte reden …

4. Der Wind mischt die warme und kalte Luft

Ob das Wetter auch daran schuld sei, dass sie heute Morgen auf dem Heimweg von der Schule so jämmerlich frieren musste, wollte Leia anschliessend noch wissen. Natürlich, sagte Papa, und zeigt ihr noch einmal das Bild mit dem Legomännchen auf der Erde:

Am Nordpol scheint die Sonne offensichtlich nicht, und Leia bemerkt sogleich, dass es dort aus diesem Grund so kalt sein muss, und dass darum dort Eisbären leben. Am Äquator hingegen, ergänzt Papa, scheint die Sonne jeden Tag und sie steht steil am Himmel, so dass sich die Luft sehr stark erwärme. Um zu kontrollieren, ob sie mitdenkt, fragt Papa nun, ob es denn am Nordpol immer kälter und am Äquator immer wärmer werde, und warum sich die Afrikanischen Elefanten am Äquator nicht die Füsse verbrennen? „Natürlich nicht, denn sie haben ja genau deswegen so eine dicke Haut“ antwortet Leia.

Die Natur sei stets bestrebt, Ungleichgewichte auszugleichen, fährt Papa mit rechthaberischer Stimme fort. Damit der Temperaturunterschied zwischen Nordpol und Äquator nicht stetig anwachse, würde der Wind die kalte Luft mit der warmen Luft vermischen und so das Ungleichgewicht permanent wieder abbauen. Zum Erstaunen von Leia zückt Papa nun schon wieder das Handy, und ergänzt: Stell dir vor, du hast einen Teller mit Vanille- auf der einen und Schoggicrème auf der anderen Seite. Die Vanillecrème symbolisiert die warme Luft, die Schoggicrème die kalte Luft in der Atmosphäre. Wenn du genügend lange mit dem Löffel darin herumrührst vermischt sich die ganze Masse zu einer hellbraunen Vanille-Schoggicrème. Unvermittelt fragt Leia, ob sie das auch am nächsten Morgen beim Frühstück ausprobieren dürfe – sie ahnt nur zu gut, wie die Antwort lauten würde.

In der Atmosphäre passiere scheinbar genau dasselbe mit der kalten und warmen Luft, wie im Teller mit der Vanille- und der Schoggicrème, erklärt Papa. Wenn sich die warme und kalte Luft miteinander vermischen, würden sich Wolken bilden und abwechselnd einmal kalte und einmal warme Luft um uns Menschen umherwirbeln. Dies sei das Wetter, sagte Papa und atmete einmal ganz tief durch.

Für Ungeduldige das Ganze noch einmal in Zeitraffer

Der Unterschied zwischen der Atmosphäre und der Vanille-Schoggicrème sei jedoch, fährt Papa dann noch fort, dass die Sonne die Temperaturunterschiede immer wieder von Neuem aufbauen und der Nordpol sich ständig abkühle. Das Wetter, dieses Vermischen von Vanille- und Schoggicrème, würde also immerfort andauern. Und die Sonne, so stellt sich Leia diesen unermüdlichen Motor des Wetters nun in ihrer Fantasie vor, wäre wie eine fliessige Köchin die fortwährend Vanille- und Schoggicrème kochen und über den Äquator und den Nordpol giessen würde. Eine schöne Vorstellung.

5. Das Wetter heute

Noch eine ganze Weile liegt Leia wach im Bett und rätselt über die Löffel im Film, und wie gross diese in der Atmosphäre sein müssten um die Luft umherzuwirbeln. Über den unterschiedlichen Geschmack, den warme und kalte Luft doch eigentlich haben müssten, obwohl ihr das noch nie aufgefallen war wenn sie draussen war. Und über die Frage, wann es denn nun endlich wärmer werde und sie mit ihren Freunden in die Badi gehen kann. Diesen und anderen Fragen, liebe Kinder und liebe Blogleser, widmen wir uns in den nächsten Blog-Kapiteln. Gute Nacht, schlaft wohl, ihr Menschenkinder.   

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Comments (9)

  1. Lucia, 04.06.2019, 17:03

    Toller Blogbeitrag!
    Nur:
    Liebe Blogleserin, Lieber Blogleser: Da würde ich mich noch ein bisschen mehr angesprochen fühlen.

  2. Jürg Christoffel, 29.05.2019, 04:01

    Wunderbar diese Erklärungen, leider für mich etwas zu späht meine Kinder sind schon erwachsen.
    Naja Schoggi-Vanillecreme hat man auch mit 25 noch gerne. Beim Bürli bin ich mal gespannt wie ihr den Schnee simuliert. Herzlichen Dank für diesen unterhaltsamen Blog.

  3. Valentin, 29.05.2019, 02:56

    Die Corioliskraft, die auf die Wolken wirkt, spielt doch auch noch eine Rolle. Haben wir doch in der Schule gelernt.

    1. MeteoSwiss, 29.05.2019, 04:17

      Da haben Sie natürlich absolut recht; die Corioliskraft, welche durch die Erddrehung verursacht wird, beeinflusst massgeblich die Windsysteme auf der Erde. Sie sorgt zum Beispiel für den starken von West nach Ost gerichteten Jetstream oder dafür, dass Tiefdrucksysteme auf der Nordhalbkugel immer im Gegenuhrzeigersinn rotieren.

  4. Peter Sager, 28.05.2019, 21:37

    Danke bin selber Papa von 2 Mädchen, so toll erklärt.

  5. Helen Itschner, 28.05.2019, 20:42

    So herzig, das Ganze in eine Geschichte zu verpacken. So gut verständlich, dass jedes Kind merkt, was gemeint ist. Aber auch für uns Erwachsenen eine herrliche Sache. So könnt Ihr gerne weiter erzählen und erklären.

  6. Mark L., 28.05.2019, 20:38

    cooler Beitrag! vielen Dank! sehr unterhaltsam und inspirierend fürs nächste Kindergespräch.

  7. Heinz F., 28.05.2019, 19:58

    Der Wanderleiter und das Wetter
    Morgen 29.05. gehe ich mit einer Gruppe über den Weissenstein und beobachte regelmässig die Niederschlagsprognose. Gestern abend für am Morgen des 29. wenig Niederschlag, dann gut. Heute Morgen um 8.30 Uhr für den ganzen morgigen Tag einige Niederschläge. Heute Morgen um 11 dann wieder für den ganzen 29.5. trocken. Vor etwa 2 Stunden für den Vormittag des 29.5. wieder leichter Regen. Jetzt wieder für den ganzen morgigen Tag kein Regen. Wie würde der Papa seiner lieben Leia wohl solche Schwankungen erklären...? Hut ab, eine charmante Geschichte.

  8. Sabine Nagel, 28.05.2019, 18:56

    Das habt Ihr toll gemacht! :-)