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Weiterer Schnee in Sicht

2 November 2021, 8 Comments
Topics: Weather

Wie im Blog von gestern Montag angedroht und ausführlich beschrieben, steht für die Alpen eine neuerliche Portion Neuschnee bereit.

Den einen oder anderen Wintersportler «chriblets» schon in den Beinen bei diesem Anblick in Arosa Tschuggen…und weiterer Schnee ist im Anmarsch. Quelle: roundshot.ch
Den einen oder anderen Wintersportler «chriblets» schon in den Beinen bei diesem Anblick in Arosa Tschuggen…und weiterer Schnee ist im Anmarsch. Quelle: roundshot.ch

Schneewarnung für die Alpen aktiv

Enlargement: Warnkarte für Mittwoch, den 3.11.2021. In weiten Teilen der Schweizer Alpen ist eine Warnung der Stufe 3 aktiv.
Warnkarte für Mittwoch, den 3.11.2021. In weiten Teilen der Schweizer Alpen ist eine Warnung der Stufe 3 aktiv.

Die Schweiz lag heute am Südrand eines ausgedehnten Tiefdruckkomplexes. Morgen Mittwoch dreht die westliche bis südwestliche Höhenströmung auf südlichere Richtung. Damit stellt sich eine Südstaulage ein. Gleichzeitig erreicht eine Kaltfront aus Westen die Schweiz. Während dieser Phase mit Gegenstrom (untere Schicht West-/Nordwestwind, darüber Südwind) fallen auch am Alpenhauptkamm und in den nördlich angrenzenden Regionen intensive Niederschläge. Die intensivsten Niederschläge fallen am Mittwochabend und in der Nacht auf Donnerstag. Am Donnerstag lassen die Schneefälle rasch nach. Die Schneefallgrenze liegt anfangs bei rund 1500 Meter, sinkt dann auf der Alpennordseite allmählich gegen 1000 Meter ab. Inneralpin fallen gegen Ende der intensivsten Niederschlagsphase (in der Nacht auf Donnerstag) vor allem in den Bündner Tälern Schneeflocken bis gegen 700 Meter.     

Enlargement: Niederschlagsprognose, Modell Cosmo (links) und IFS (rechts), Median 24h-Niederschlag in mm bis Donnerstag 7 Uhr Lokalzeit.
Niederschlagsprognose, Modell Cosmo (links) und IFS (rechts), Median 24h-Niederschlag in mm bis Donnerstag 7 Uhr Lokalzeit.
MeteoSchweiz

Oberhalb rund 1600 Meter fallen von der Simplonregion über das Goms, die Tessiner Alpen, das Urserental bis in die Bündner Alpen 20 bis 40 cm, oberhalb 1200 Meter 5 bis 15 cm. Daher wurde für diese Regionen eine Warnung der Stufe 3 ausgebeben. Weitere Informationen finden sie auf der Gefahrenkarte und im Naturgefahrenbulletin auf der Website von MeteoSchweiz oder in der App.

Heute Dienstag vorübergehend nachlassender Niederschlag

Mit westlichen bis südwestlichen Höhenwinden wurde am Dienstag zunächst zeitweise feuchte Luft zur Schweiz geführt. Vor allem in der Nacht auf Dienstag zog in Verbindung mit einem Kurzwellentrog ein ausgedehnteres Niederschlagsgebiet über die Schweiz.

Enlargement: Abziehende Schauerzelle und Regenbogen in Schaffhausen.
Abziehende Schauerzelle und Regenbogen in Schaffhausen.
M. Kopp

Im Tagesverlauf lockerte die Bewölkung von Westen zeitweise auf (1 bis 5 Stunden Sonnenscheindauer), in der labilen Luft entstanden aber weitere Schauere (lokal mit Blitz und Donner), welche von auffrischendem Südwestwind begleitet über die Alpennordseite zogen. Die Böenspitzen betrugen im Flachland 30 bis 50 km/h, in Gipfellagen 60 bis 80 km/h. Die Schneefallgrenze lag zwischen 1200 und 1500 Metern.

Enlargement: Schöne Aufhellungen am Nachmittag in Beringen/SH.
Schöne Aufhellungen am Nachmittag in Beringen/SH.
M. Flubacher

Mit 4 bis 8 Stunden wurde in weiten Teilen des Tessins sowie im Engadin noch mehr Sonnenschein registriert.

Enlargement: Sonnenscheindauer in Stunden bis 17 Uhr.
Sonnenscheindauer in Stunden bis 17 Uhr.

Neuschnee am Morgen

Zusammen mit den Niederschlägen von gestern wurden am Dienstagmorgen um 7 Uhr unter anderem folgende Neuschneemengen gemessen:

  • Weissfluhjoch 24 cm 
  • Arosa 15 cm
  • Pontresina 12 cm
  • Sils Maria 11 cm
  • Splügen 8 cm
  • Davos 7 cm
  • Säntis 7 cm
  • Scuol 5 cm  

Diese Werte dürften am kommenden Donnerstag um 7 Uhr mit grosser Wahrscheinlichkeit übertroffen werden. 

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Comments (8)

  1. Jürg Geilinger, 02.11.2021, 21:41

    Gestern Mittag kamen die Räumequippen am San Bernardino viel zu spät. Entgegen den Prognosen fiel die Schneefallgrenze bereits im Verlaufe des Nachmittags gegen 1000 Meter.
    Es herrschte ein solches Chaos, dass keine Räumfahrzeuge mehr durch kamen und die Strecke komplett gesperrt werden musste.
    Auch andere Gebiete im Graubünden wurden vom intensiven Schneefall in tiefe Lagen überrascht.
    Wo blieb die Wetterwarnung der Meteo?

  2. heidi, 02.11.2021, 20:15

    Hallo Die Aufnahme von Schaffhausen mit dem Regenbogen super im richtigen Moment erwischt. Gruss Heidi

  3. Jürg Castrischer, 02.11.2021, 19:10

    Warum gibt es eine Schneewarnung der Stufe 3. Der prognostizierte Schneefall in den Bergen in dieser Grössenordnung ist doch nichts Aussergewöhnliches.

    1. MeteoSwiss, 02.11.2021, 19:28

      Guten Abend Herr Castrischer

      Die Warnschwellenwerte wurden zusammen mit den Kantonsbehörden vereinbart. Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/wetter/gefahren/erlaeuterungen-der-gefahrenstufen/gefahrenstufen-schneefall.html

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

    2. Murr Martin, 02.11.2021, 20:51

      Der erste Schnee, der auf Hängen und Felszonen zu liegen kommt, ist für den... der dessen Wucht oder Sturzpotential "ab" bekommt ...körperlich gar nicht harmlos. Das wissen Forstleute, BergretterInnen, Bergführer, Jagd- und exponierte Landwirte: Ein schüchternes Schneebrettchen reicht, und Du überlebst die Landung nicht. Die Unfallopfer werden dann am Fuße einer Rinne unter einem steileren Steig oder am angewechteten Ausstieg eines Klettersteiges ohne viel Grabarbeiten heraus gelesen, und gelangen als " Opfer im Oktober" vielleicht in die falsche Statistik unter " Wanderunfall", aber die Situation ist um Vieles heikler, als wenn man im Hochwinter nach einem Fehltritt mal ein Stück einen steilen, weichen Schneehang runter kugelt. Die Gefahrenstufe muß wie die Warnung vor Folgen des Rauchens... unserer menschlichen Verletzbarkeit mit Rechnung tragen. Daß der gestrige Schneefall keine Gebäude oder Schutzwälder ausräumt ist dabei Nebensache... LG.mm

  4. Ernst Kern Zürich, 02.11.2021, 18:52

    Anfangs November kann es ganz anders sein
    2. November 1980 in Flachland eisig kalt ..
    2. November 2021 fast spätsommerlich warm... man konnte in der leichten Jacke spazieren.

  5. Reto Grischott, 02.11.2021, 17:53

    Guten Abend geschätztes Meteo-Team
    Eine Gegenstromlage, wie wir sie bis Donnerstag erleben, ist nur wegen dem Relief, den Alpen möglich. Ohne Reibung bzw in grossen flachen Gebieten müsste der Wind quasigeostrophisch sein und es käme nicht zu entgegengesetzten Windrichtungen in unterschiedlicher Höhe, sondern lediglich zu Aufgleitprozessen (Warm- / Kaltfront). Stimmt das oder ist das skalenabhängig?
    Dem passionierten Frühdienstmeteorologen und allen anderen wünsche ich erste schöne Schwünge im Schnee.
    Schönen Abend

    1. MeteoSwiss, 04.11.2021, 10:11

      Guten Morgen Herr Grischott

      Besten Dank für Ihre interessante Frage. In der Tat begünstigen die Alpen die Bildung einer sogenannten Gegenstromlage, bei der feucht-milde Luft aus Süden nordwärts über die Alpen geführt wird und dann auf der Alpennordseite auf die bodennah einfliessende Kaltluft aus Norden/Nordwesten zusätzlich aufgleitet. Die Alpen als Gebirge quer zu den Strömungen wirken in den unteren Luftschichten wie ein Sperrriegel, der die Luftmassengegensätze für längere Zeit aufrecht erhält und dadurch (durch Ageostrophie) grossflächige Hebungsprozesse und Frontogenese (eine Intensivierung der frontalen Niederschläge inkl. Niederschlagsabkühlung in den inneren Alpentälern) verstärkt/eingeleitet werden. Gäbe es die Alpen nicht, könnte das Wetter die Temperatur- und Luftmassengegensätze nicht so lange intakt halten, die Gradienten (Gegensätze) würden schneller abgebaut und das Niederschlagsereignis entsprechend kürzer bzw. weniger markant ausfallen. Zusätzlich kommt es im Verlauf eines solchen Ereignisses nicht zwingend, aber oft zu einer sogenannten Genua-Zyklogenese über Norditalien (eine Lee-Zyklogenese), was die Zufuhr von feucht-milder und niederschlagsträchtiger Mittelmeerluft zu den Alpen hin (mit einem Low-Level-Jet) verstärkt.

      Gegenstromlagen kommen im Alpenraum immer mal wieder vor, ein Gebirge ist für solch eine Wetterkonstellation aber nicht unbedingt notwendig. Es gibt auch markante Luftmassengrenzen (wenn auch seltener), die sich über dem Flachland oder sanfterem Hügelland ebenso teilweise über mehrere Tage hinweg fast stationär halten können und für extreme Wettererscheinungen sorgen. Auch hier gibt es grosse Temperatur- und Luftmassengegensätze auf engem Raum und die wärmere Luft schiebt sich in höheren Luftschichten über die bodennahe Kaltluft. Je nach vertikaler Temperaturverteilung kann es dann zu starkem Regen, starken Schneefällen (z.B. Ende Januar 2021 über Mitteldeutschland) oder zu vereisendem Regen (Anfang Februar 2014 in Slowenien) kommen.

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz