Contents area

Riesiges Hochdruckgebiet

9 November 2021, 12 Comments
Topics: Weather

Trotz Hochdruckeinfluss gab es heute gebietsweise Wolken und recht starken Wind. Den Details dazu gehen wir im heutigen Beitrag auf den Grund.

Kurz nach Sonnenuntergang am Flughafen Zürich-Kloten. Der Hochdruckeinfluss war heute nicht ganz ungestört... Foto: M. Kägi
Kurz nach Sonnenuntergang am Flughafen Zürich-Kloten. Der Hochdruckeinfluss war heute nicht ganz ungestört... Foto: M. Kägi

Wetterlage

Ein kräftiges Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt über Osteuropa war heute für unser Wetter bestimmend. Das Hoch hatte eine ungewöhnlich grosse Ausdehnung - es erstreckte sich von Finnland nach Osteuropa und weiter westwärts über den Alpenraum und Frankreich bis zu den Azoren und weiter auf den Atlantik hinaus. Im Bereich der Azoren war allerdings eine Schwachstelle auszumachen. Hier sorgte ein sich abschwächendes Frontensystem für ausgedehnte Bewölkung und etwas Niederschlag.

Enlargement: Bodenanalyse mit Fronten von heute 06 UTC.
Bodenanalyse mit Fronten von heute 06 UTC.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, DWD

Im Alpenraum war zwar eindeutig der Hochdruckeinfluss dominierend. Das seit Tagen mehr oder weniger stationäre Tiefdruckgebiet im westlichen Mittelmeerraum hatte allerdings einen gewissen Einfluss. Es sorgte heute vor allem in den mittleren und oberen Schichten der Atmosphäre für eine zunehmende Südostströmung und teils auch eine Anfeuchtung.

Nebel und Hochnebel

Enlargement: Die Marbachegg (1483 m) lag knapp über dem Hochnebel, zeitweise schwappte er am Vormittag aber über den Kamerastandort hinweg.
Die Marbachegg (1483 m) lag knapp über dem Hochnebel, zeitweise schwappte er am Vormittag aber über den Kamerastandort hinweg.
Quelle: https://marbachegg.roundshot.com

Wie es sich für November gehört, lag heute über weiten Teilen vom Flachland und den Voralpen anfangs Nebel oder Hochnebel. Meist handelte es sich um Hochnebel, dieser hatte eine Obergrenze von 1200 bis 1500 Metern. In der Nordwestschweiz lag hingegen Nebel, er hatte eine Obergrenze von etwa 400 Metern.

Enlargement: MeteoSchweiz Wetterkamera St. Chrischona von heute 10 Uhr.
MeteoSchweiz Wetterkamera St. Chrischona von heute 10 Uhr.

Der Nebel und Hochnebel löste sich bis am Nachmittag gebietsweise auf. Zäh blieb er vor allem in Teilen der Zentral- und Westschweiz. Ansonsten dominiert nördlich des Alpenhauptkamms der Sonnenschein.

Teils kalter Morgen, milder Nachmittag

Während in der Deutschschweiz die Temperaturen in der Nacht dank Bise und baldiger Hochnebelbildung lediglich auf +2 bis knapp -2 Grad gesunken sind, gab es in den schneebedeckten Hochtälern dank klarem Himmel und Windstille strengen Frost.

So wurden am Flugplatz Samedan -18 und in Andermatt -14 Grad gemessen. Diese Werte sind für die erste Novemberhälfte im Übrigen nicht ungewöhnlich. Um beispielsweise in Samedan die Top 10 Werte zu erreichen, müsste die Minimumtemperatur -22.9 Grad betragen, Platz eins wird erst bei -26.8 Grad egalisiert…

Enlargement: Tiefsttemperaturen (links) und Höchsttemperaturen von heute Dienstag, 9. November 2021.
Tiefsttemperaturen (links) und Höchsttemperaturen von heute Dienstag, 9. November 2021.

Tagsüber erfolgte vor allem oberhalb der Inversion und in einigen Föhntälern eine markante Erwärmung. Die höchsten Werte wurden mit 16.2 Grad in Visp gemessen, gefolgt von 13 Grad in Göschenen und 12.6 Grad in Disentis.

Praktisch gleich milde Verhältnisse herrschten mit einem Maximum von knapp 12 Grad in Chur (556 m) und auf dem Pilatus (2106 m). Betrachtet man den vertikalen Temperaturverlauf in der Ballonsondierung unten, ist der Wert vom Pilatus nicht weiter erstaunlich:

Enlargement: Der Blick auf die (ausserplanmässige) Radiosondierung Payerne von 9 UTC (10 h MEZ) zeigt es exemplarisch: Oberhalb von rund 1500 Meter herrschten ausgesprochen trockene und milde Verhältnisse. In der Hochnebelschicht hingegen wurden im oberen Bereich sogar negative Temperaturen gemessen. Der Taupunkt ist in blauer, die Temperatur in roter Farbe dargestellt.
Der Blick auf die (ausserplanmässige) Radiosondierung Payerne von 9 UTC (10 h MEZ) zeigt es exemplarisch: Oberhalb von rund 1500 Meter herrschten ausgesprochen trockene und milde Verhältnisse. In der Hochnebelschicht hingegen wurden im oberen Bereich sogar negative Temperaturen gemessen. Der Taupunkt ist in blauer, die Temperatur in roter Farbe dargestellt.

Eindrücklicher Tagesgang der Temperatur

In Andermatt sorgte der morgendliche Kaltluftsee zusammen mit dem nachmittägliche Föhndurchbruch für einen eindrücklichen Tagesgang der Temperatur. Dieser betrug 24.1 Grad, was in der Schweiz nicht sehr häufig vorkommt.

Enlargement: Verlauf von verschiedenen Parametern an der Wetterstation Andermatt. Oben: Mittelwind (kt), Böenspitzen (kt) und Windrichtung; Mitte: Temperatur (rot), Taupunkt (blau) und relative Feuchtigkeit (grün, rechte Skala); Unten: Sonnenscheindauer (gelb) und Globalstrahlung.
Verlauf von verschiedenen Parametern an der Wetterstation Andermatt. Oben: Mittelwind (kt), Böenspitzen (kt) und Windrichtung; Mitte: Temperatur (rot), Taupunkt (blau) und relative Feuchtigkeit (grün, rechte Skala); Unten: Sonnenscheindauer (gelb) und Globalstrahlung.

Anfeuchtung am Walliser Alpenhauptkamm - Guggiföhn im Berner Oberland

Mit dem zunehmenden Südostwind erfolgte im Tagesverlauf am Walliser Alpenhauptkamm (und auch im Tessin) eine Anfeuchtung. Somit gerieten die hohen Gipfel zunehmend in Wolken. In der zweiten Nachmittagshälfte fiel stellenweise sogar etwas Schnee.

Enlargement: Roundshot-Webcam Rothorn oberhalb Zermatt mit Blick zum Alpenhauptkamm. Der Gipfel der Dufourspitze (oberhalb vom Berggasthaus) versteckte sich ab Mittag in den Wolken (oben), später setzte leichter Schneefall ein (unten).
Roundshot-Webcam Rothorn oberhalb Zermatt mit Blick zum Alpenhauptkamm. Der Gipfel der Dufourspitze (oberhalb vom Berggasthaus) versteckte sich ab Mittag in den Wolken (oben), später setzte leichter Schneefall ein (unten).
https://zermatt.roundshot.com/rothorn

Wie so häufig bei südöstlicher Anströmung machte sich im Jungfraugebiet der Guggiföhn bemerkbar. Mitte Nachmittag setzte er auf dem Lauberhorn ein und erreichte Böenspitzen von 80 bis 100, kurz vor Sonnenuntergang sogar 126 km/h (Quelle: Kachelmannwetter) - für Guggiföhn allerdings relativ zahme Werte…

Namensgeber von diesem regionalen Föhnphänomen ist übrigens der Guggigletscher unterhalb vom Jungfraujoch. Der Guggiföhn gehört mit regelmässig gemessenen Böenspitzen in Orkanstärke zu den extremsten Wettererscheinungen im Alpenraum. Die höchste Böenspitze der relativ kurzen Messreihe vom Lauberhorn datiert mit 252 km/h vom 14. Februar 2008. Am 21. Februar 2004 wurde eine Böe von 246 km/h registriert (Quelle: MeteoGroup).

Auch sonst frischte der Südostwind in den Bergen vielerorts auf. In den exponierteren Lagen wie beispielsweise dem Titlis wurden Böenspitzen von 60 bis gut 85 km/h gemessen.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.
Contact form

Comments (12)

  1. Ernst Kern Zürich, 09.11.2021, 20:15

    Auch der November kann schön goldig sein
    🌻🌿🍁☀️

  2. P. Bernet, 09.11.2021, 18:07

    Was ist bei uns in der Schweiz der Rekord bei der
    Tagesgangtemperaturdifferenz?

    1. MeteoSwiss, 09.11.2021, 20:31

      Grüezi Herr Bernet,
      Untenstehender Link führt Sie zu einem Fachbericht, welcher Ihre Frage sehr ausführlich beantwortet (eine verkürzte Antwort finden Sie in der Zusammenfassung auf Seite V am Anfang des Dokuments).

      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/service-und-publikationen/publikationen.subpage.html/de/data/publications/2014/1/die-groessten-wetterbedingten-temperaturspruenge-im-automatische.html

      Freundliche Grüsse,
      MeteoSchweiz

  3. Rey, 09.11.2021, 18:06

    Dieser Herbst ist echt wieder mal langweilig ohne Ende, eine unendliche Hochdrucklage und praktisch kein Regen weit und breit.

    1. Tom, 10.11.2021, 04:45

      Tja, also mir gefällt es so. Regen hatten wir genügend im Sommer.

    2. Guggi, 10.11.2021, 08:47

      Leider kommen solche Herbste immer mehr vor, hat man das Gefühl.

    3. Steve Tigermann, 10.11.2021, 10:30

      Das ist auch gut so...Regen hatten wir mehr als genug, und Nebel brauchen wir auch keinen!! Sonne und milde Temps ist genau richtig!

    4. Patrick, 10.11.2021, 11:59

      Gebe Ihnen absolut recht. In Basel war der August, September und der Oktober viel zu trocken und es zeichnet sich auch ein zu trockener November ab. Der Rhein hat absolut Niedrigwasser.

    5. Reto, 10.11.2021, 15:35

      "Langweiliger Herbst"? Sorry, Das kann ich nicht verstehen... Reklamieren auf hohem Niveau..... Wir habens doch echt noch gut in unserer Klimazone Schweiz..... Tornados im Norden, Überschwemmungen/Erdbeben/Hitze im Süden...

    6. Rey, 10.11.2021, 17:30

      Die einen mögen sonne die anderen Sturm, was soll daran reklamieren sein? Ich finde dieses Wetter komplett langweilig und man lebt nur einmal :)

    7. Wolfgang, 11.11.2021, 00:12

      Der Herbst entschädigt nur für den ausgefallenen Sommer. Mir graust es schon vor den nächsten Monaten mit Frost, Schnee und Hochnebel.

    8. Rey, 11.11.2021, 15:46

      Wolfgang, irgendwann schick ich dir zu Weihnachten mal eine Wärmedecke :D