Contents area

Erste Schneedecke dieses Winters im Flachland

26 November 2021, 9 Comments
Topics: Weather

Ein erster winterlicher Gruss ins Flachland. Eine Bilanz des nächtlichen Schneefalls und eine kleine Analyse, wie es dazu kam. Dies die thematischen Schwerpunkte im heutigen Wetterblog.

Der erste Schneemann im Winter 2021/22, Bauleitung und Foto: D. Roth
Der erste Schneemann im Winter 2021/22, Bauleitung und Foto: D. Roth

Entgegen den gestrigen Ankündigung im Blog hat sich über Nacht im Flachland der Deutschschweiz doch verbreitet eine dünne Schneedecke gebildet. Auf den Strassen reichte es mehrheitlich nicht für ein Ansetzen des Schnees.

Ein erster Schub mit Niederschlag fiel am Donnerstagabend aus einem Band, welches sich vom Burgund über den gesamten Jurabogen ostwärts bis zum Hochrhein und zur oberen Donau erstreckte und in dieser Position für ein paar Stunden stationär blieb.

Bis zu diesem Moment war im Temperaturprofil zwischen 1000 und 1600 m ü. M. noch eine «warme Nase» mit Plusgraden vorhanden. Mit dem einsetzenden Schneefall, der in den gestern beschriebenen hohen Wolkenschichten produziert wurde sowie der in Bodennähe gleichzeitig aus Nordwesten einfliessenden kälteren Luft wurde das Temperaturprofil rasch abgekühlt.

Nach einer kurzen Niederschlagspause folgte in der zweiten Nachthälfte bzw. in den frühen Morgenstunden ein zweiter Schub mit Niederschlägen, wobei in dem Moment die Temperatur am Boden um null Grad und in den höheren Lagen bereits deutlich unter dem Gefrierpunkt lag.

Die folgenden Abbildungen illustrieren diesen Vorgang bildlich: Die Zeitreihen der Mikrowellen Radiometer in Grenchen bzw. Schaffhausen zeigen die warme Luft bis um etwa 18 UTC in Gelbtönen. Anschliessend setzte Niederschlag ein (die schwarzen Zacken unten markieren Niederschlagsmessung eines unabhängigen Messgerätes am Boden, das Radiometer ist dann jeweils für einen kurzen Moment lang «blind») und während ein paar Stunden herrschten isotherme Verhältnisse unterhalb von etwa 2000 m ü. M. Im Verlauf der zweiten Nachthälfte setzte sich die zuvor schon in den höheren Luftschichten gemessene Abkühlung auch in den tieferen Luftschichten fort und resultierte in einem durchwegs negativen Temperaturprofil.

Optimal für ein rasches Absinken der Schneefallgrenze bis in tiefe Lagen war ausserdem die sehr schwache Strömung. Der Wind bewirkt im Zusammenhang mit der Reibung am Boden eine turbulente Durchmischung, was wiederum zu einer bodennahen Erwärmung führt. Eine solche war in dieser Nacht nicht vorhanden, so dass die kühlenden Prozesse (Niederschlag und Kaltluftzufuhr) dominierten.

Enlargement: Berechnete und automatisch gemessene Neuschneehöhen am Freitagmorgen, 26. November 2021
Berechnete (farbige Flächen, INCA Nowcasting System der MeteoSchweiz) und automatisch gemessene Neuschneehöhen (rote Zahlenwerte) am Freitagmorgen, 26. November 2021

Die Bilanz dieses ersten Schneeereignisses für das Flachland in diesem Winter beeindruckt nicht primär wegen der gemessenen Schneehöhen von 1-2 cm sondern vielmehr bezüglich der Flächenausdehnung.

Ihr seid eine grossartige «Wetter Crowd»!

An dieser Stelle lassen wir ein paar Bilder sprechen, die wir heute Morgen von den Nutzern der MeteoSchweiz App erhalten haben. Seit einigen Wochen ermöglicht die App die manuelle Eingabe und Darstellung von Wetterbeobachtungen. Diese Daten helfen uns in der grossflächigen Erfassung des aktuellen Wetters und verdichten auf einfache, aber sehr anschauliche Art und Weise das bestehende Netz von Messgeräten.

Allen App-Nutzern, die bereits aktive Wettermelder sind und allen, die es noch werden, an dieser Stelle ein grosses Dankeschön für präzise und zahlreiche Meldungen!

Was sonst noch war

Enlargement: Höchsttemperatur am Freitag 26. November 2021
Höchsttemperatur am Freitag 26. November 2021

Nach dem nächtlichen Schneefall blieb in den zentralen und östlichen Landesteilen - wie so oft, wenn am Boden eine frische nasse Schneedecke liegt - eine veritable «Suppe» zurück. Kühle, dunstige Luft und tiefe Restbewölkung prägte das Bild. In den westlichen Landesteilen lockerte die Bewölkung über die Mittagszeit kurz auf. Im Verlauf des Nachmittags näherten sich aus Westen bereits die hohen Wolkenfelder der nächsten Störung, welche in der Nacht und am Samstagmorgen die nächsten Staffeln mit Schneeschauern bringen wird. Die Höchsttemperatur betrug im Norden entsprechend verhaltende 1 bis 5 Grad.

Ganz ein anderes Bild präsentierte sich auf der Alpensüdseite: Hier wechselte die Sonne mit hohen Wolkenfeldern, Stratocumulus-Bänken und einzelnen Quellwolken-Fetzen, welche die aperen Hänge hinaufzogen.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.
Contact form

Comments (9)

  1. Remo Boss, 27.11.2021, 16:06

    Guten Tag

    Also die Prognose für die Alpen war heute ja fürchterlich. In der Lenzerheide schien der ganze Tag die Sonne, kein einziges Schneeflöcklein kam runter. Auch die Niederschlagsprognose stimmt höchstens 5min im voraus, dann kann man es ja auch gleich lassen. Von wo sollen die erwähnten 10-20cm noch herkommen?

    Lg

    1. MeteoSwiss, 27.11.2021, 17:10

      Aus West bis Nordwest 😉. Tatsächlich war die Besonnung heute in vielen Regionen deutlich grösser als vorhergesagt.

  2. Emma, 27.11.2021, 14:41

    Alex genau, das finde ich auch so, wir haben ja vier Jahreszeiten. Der Winter ist nicht gerade meine liebste Zeit, aber ich nehme es locker. Und freue mich schon ein (bisschen), auf den Frühling, Emma

  3. Imbach Reto, 27.11.2021, 11:22

    Ich habe so das Gefühl die Region Grenchen hat immer etwas anderes Wetter als von Euch vorgegeben. Auch in anderen Jahreszeiten haben wir von meinem Gefühl her viele male etwas andere Wetterbedingungen. Aktuell weder Schnee noch Regen sondern Aufhellungen. Und Schnee hatten wir noch keinen

    1. MeteoSwiss, 27.11.2021, 12:09

      Guten Tag Herr Imbach. Vielen Dank für Ihre Nachricht. Das mit den subjektiven Empfindungen ist so eine Sache welche bei uns in der Wetterzentrale gelegentlich auch zu Diskussionen führt. Deshalb prüfen wir in regelmässigen Abständen unsere Prognosen mit klar definierten Kriterien auf ihre Zuverlässigkeit und versuchen aufgrund der Resultate ggf. Massnahmen zur Verbesserung in unsere Arbeit einfliessen zu lassen. Mit freundlichen Grüssen. Meteoschweiz

  4. Ernst Kern Zürich, 26.11.2021, 18:11

    Der 28.Oktober 2012 und 29 Oktober 2008 brachten einen regelrechten Flachlandwinter .... ich kann mich gut daran erinnern einen Monat früher

  5. Wolfgang, 26.11.2021, 17:33

    Täusche ich mich oder fängt der Winter von Jahr zu Jahr früher an? Flächendeckend Schnee im Flachland Ende November ist doch außergewöhnlich.

    1. MeteoSwiss, 26.11.2021, 17:54

      Guten Abend Wolfgang

      Tatsächlich entspricht der Neuschnee von heute Morgen, mindestens für die Region Zürich, ziemlich genau dem mittleren Termin des ersten messbaren Schnees. Gemäss einer Auswertung der Periode von 1931 bis 2020 ist dies für Zürich der 28. November.

      In weiter zurückliegenden Jahren ist der erste messbare Schnee schon bedeutend früher beobachtet worden. So lagen zum Beispiel am 28. September 1885 an der Messstation Zürich 9 cm Schnee (Annalen der Schweizerischen Meteorologischen Centralanstalt, 1885).

      Weitere Informationen zum ersten Schnee finden sie im Blog "Erster Schnee":
      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/klima-der-schweiz/altweibersommer-eisheilige-und-andere-spezialitaeten/erster-schnee.html

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

    2. Alex, 27.11.2021, 11:21

      Schnee würde ich dem nicht sagen, ist im Flachland eher etwas verzuckert. Ist aber längst wieder weg (Raum Zürich).

      Dass Ende Nov. Flocken fallen, ist nicht unüblich. Zum Glück, denn auch das gehört zum ewig weisen Kreislauf der Natur.