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Der Laseyerwind

30 November 2021, 2 Comments
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Der Laseyerwind bläst quer zum appenzellischen Schwendetal. Er nimmt bisweilen Stärken an, dass er ganze Züge zum Kippen bringt. Die Appenzeller Bahnen, die ETH Zürich und MeteoSchweiz gehen dem Phänomen in einem Projekt auf den Grund.

Was geschieht denn hier? Eben erst haben die Wetterstationen auf dem Säntis und der Ebenalp schwachen bis mässigen Wind aus (nord-) westlicher Richtung gemessen und nun bläst orkanartiger Sturm quer zum appenzellischen Schwendetal – nun aber aus der entgegengesetzten Richtung, aus Osten! Der Laseyerwind hat eingesetzt. Und der ist nicht ohne. So hat er beispielsweise im Januar 2007 einen gut 20 Tonnen schweren Steuerwagen der Appenzeller Bahnen aus den Schienen gehoben.

Enlargement: Abbildung 1: Eine idyllische Fahrt ins Schwendetal, sofern der Laseyerwind nicht bläst.
Abbildung 1: Eine idyllische Fahrt ins Schwendetal, sofern der Laseyerwind nicht bläst.
(Foto: Appenzeller Bahnen)

Das Lokalphänomen Laseyerwind tritt in einem Tal am Fusse des Alpsteins auf, eingebettet zwischen der Ebenalp und der Alp Siegel. Der Schwendebach, der mitten durch das Tal fliesst, entspringt im Alpstein und speist den Seealpsee, der Touristenmagnet der Region. Südöstlich von Wasserauen, der Endstation der Appenzeller Bahnen, liegt der Laseierwald, der dem Laseyerwind den Namen verleiht.

Enlargement: Abbildung 2: Der Ort des Geschehens, die Region Alpstein und das Schwendetal.
Abbildung 2: Der Ort des Geschehens, die Region Alpstein und das Schwendetal.
(Quelle: swisstopo, www.geo.admin.ch)

Der Laseyerwind pfeift vor allem in den Monaten November bis März durchs Schwendetal. Doch wie der orkanartige Wind entsteht, verstehen die Meteorologinnen und Meteorologen noch immer nicht bis ins Detail. Die bestechendste Theorie erklärt das Phänomen durch eine sogenannte Luftwalze (Rotor), die sich an der Talflanke entlang der Alp Siegel ausbildet. Durch die Walze wird der Wind umgelenkt und beschleunigt: der Westwind in der Höhe wird zum Ostwind im Tal.

Enlargement: Abbildung 3: Ein Versuch, den Laseyerwind zu simulieren: So oder so ähnlich könnte er entstehen.
Abbildung 3: Ein Versuch, den Laseyerwind zu simulieren: So oder so ähnlich könnte er entstehen.
(Quelle: Egloff Lukas, 2009. Master thesis: The Laseyer Rotor - Dynamics & Climatology, IAC ETH Zürich)

Der drohende Laseyerwind zwingt die Appenzeller Bahnen an bis zu 25 Tagen pro Jahr, den Bahnbetrieb einzustellen und stattdessen auf Busbetrieb umzustellen. Die präventive Umstellung ist nicht nur kostspielig, sondern für Einheimische und Touristen mit Unannehmlichkeiten verbunden. Aus diesem Grund haben sich die Appenzeller Bahnen, die ETH Zürich und MeteoSchweiz im Rahmen eines Projektes das Ziel gesetzt, dem Phänomen auf den Grund zu gehen und die Windwarnungen für den Laseyerwind zu optimieren. Während die ETH Zürich versucht, den Laseyerwind aus Wettermodellen abzuleiten, designt MeteoSchweiz eine Warnplattform, welche die Appenzeller Bahnen in ihren Betrieb implementieren.

Enlargement: Abbildung 4: Im Rahmen des Projektes wurde im Schwendetal eine temporäre Messanlage aufgebaut.
Abbildung 4: Im Rahmen des Projektes wurde im Schwendetal eine temporäre Messanlage aufgebaut.
(Foto: Appenzeller Bahnen)

Literatur

Sprenger Michael et al, 2018: The Laseyer wind storm – case studies and a climatology. Meteorologische Zeitschrift, vol. 27, N° 1, 15–32. (auf Englisch) 

https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/239023?locale-attribute=de 

 

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Comments (2)

  1. Godi Isler, 30.11.2021, 10:56

    Würde ein 3 D Modell, das man im Windkanal beliebig anströmen kann, etwas zur Lösung beitragen?

    1. MeteoSwiss, 01.12.2021, 16:44

      Guten Tag

      Für das Projekt wurden tatsächlich Strömungssimulationen zur Untersuchung der Seitenwindstabilität des Zuges gemacht.
      Also eine Art 3D-Simulationen des Zuges. Dank den Simulationen konnten kritische Windgeschwindigkeiten abgeschätzt werden.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz