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"Schön hier" ...

14 April 2019, 6 Comments
Topics: Weather

Der bereits im gestrigen Blogartikel thematisierte Kaltlufttropfen war heute der MMVP – der meteorological most valuable player – auf der Eisfläche …. Ähm … der meteorologischen Bühne. Während im Westen tagsüber meist die Sonne schien, war es im Osten stark bewölkt und immer wieder fiel Niederschlag. Aber dennoch „schön hier“ lautete des Blogverfasssers Tagesfazit. Warum nur? Doch lesen Sie selbst …

Nur nicht die Köpfe hängen lassen. Der Spuk mit dem Kaltlufttropfen ist in der kommenden Nacht vorbei. Bild: C. Hayoz
Nur nicht die Köpfe hängen lassen. Der Spuk mit dem Kaltlufttropfen ist in der kommenden Nacht vorbei. Bild: C. Hayoz

Sinkende Schneefallgrenze

In der zurückliegenden Nacht kam der Kaltlufttropfen (siehe Blog des Vortages) südwärts voran und löste in der Schweiz vor allem in der Deutschschweiz sowie in Teilen Graubündens und des Tessins Niederschläge aus.

Die Schneefallgrenze sank im Verlauf der Nacht ausgehend von rund 900 Meter stetig bis gegen rund 400 Meter. Davon zeugen auch die von unseren Wetterbeobachtern am Flughafen Zürich-Kloten abgesetzten Wettermeldungen (METAR): Am Abend bzw. in der ersten Nachthälfte wurde mehrheitlich Regen gemeldet, die METAR-Meldung um 22:20 UTC beinhaltete erstmals Schneeregen, am Sonntagvormittag wurde zeitweise reiner Schneefall beobachtet.  

Tagsüber leicht ansteigende Schneefallgrenze

Bereits während der Fahrt durch den schwachen Regen zum Spätdienst kommt dem Verfasser ein „schön hier“ über die Lippen. Nachdem während der Nacht und in der ersten Vormittagshälfte die Schneefallgrenze teils bis 400 Meter gesunken war, fiel anschliessend in den untersten Lagen der Niederschlag mehrheitlich in flüssiger Form.

Der Anstieg der Schneefallgrenze resultierte aus der tagsüber nachlassenden Niederschlagsintensität und der tageszeitlichen Erwärmung in Folge der im April bereits deutlich spürbaren Einstrahlung. Jene Erwärmung der untersten Luftschichten stammte heute im Osten hauptsächlich von der diffusen Einstrahlung. Exemplarisch sei unsere SwissMetNet-Station am Flughafen Zürich-Kloten erwähnt, wo am frühen Nachmittag beachtliche 315 W/m2 an diffuser Strahlung gemessen werden konnten. An einem trüben Wintertag unter dickem Hochnebel wird nicht mal die Hälfte davon erreicht …

Im Osten trüb

 „Schön hier“ dachte sich der Verfasser am frühen Nachmittag , als er beim Betreten der Wetterzentrale von den Kollegen der Frühschicht mit einem lockeren Spruch begrüsst wurde. Während in der Westschweiz und in weiten Teilen des Wallis bereits seit längerem die Sonne schien war es in weiten Teilen der Deutschschweiz sowie in Graubünden und dem Tessin stark bewölkt. Was war geschehen? Über dem Golf von Genua hatte sich mittlerweile ein Tiefdruckgebiet entwickelt. Es steuerte mit einer Ostströmung feuchte Luft in die Ost- und Südhälfte der Schweiz.

Mit einem „schön hier“ liess sich der Verfasser entspannt in seinen Bürostuhl sinken. Mit der weiter aus Osten anhaltenden Feuchtezufuhr änderte sich auch am Nachmittag an der Zweiteilung des Wetters in der Schweiz nichts. Im Büro ist es trocken und warm … „schön hier“ …

Das Wetter zeigte sich heute solidarisch...

… mit den auf der A2 vor dem Gotthard-Nordportal im Stau stehenden Automobilisten. Mit einem Nordüberdruck von 5 bis 8 hPa wurde auch die feuchte Luft an den Alpen gestaut. In den oberen Alpentälern der Alpensüdseite nahm dann auch das Wetter Fahrt auf. Genau genommen kam hier schwacher Nordwind auf, welcher die untersten Luftschichten abtrocknete.

Ein „schön heiss hier“ entfährt dem Verfasser beim Blick auf das Bürothermometer: +24.5 Grad zeigt die zugegeben meteorologisch nicht ganz korrekte Messung. Damit war es in der Wetterzentrale mehr als "doppelt" so warm wie jene 12 Grad, die heute im Zentralwallis und im Südtessin erreicht wurden.

Dies bringt uns zur Bise, die heute in der Westschweiz zeitweise mässig wehte. Erwähnenswert ist auch der teils mässige Talwind in den Alpentälern. Dagegen war es in der Deutschschweiz meist schwachwindig.

Mit einem letzten „schön hier“ verabschiedet sich der Verfasser von den Kollegen der Spätschicht und von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Die Tourenski liegen für den Montag bereits parat. Oberhalb hochnebelartiger Bewölkung mit einer Obergrenze um 1400 Meter erwarten wir bereits am Vormittag einen „schönen“, sprich sonnigen Tag. Das wird dann "schön hier" ... Wo genau wird natürlich hier und jetzt nicht verraten ... :-)

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Comments (6)

  1. Stefan, 15.04.2019, 16:41

    Interessant was ein Ort ohne offizielle Messung so gemacht hat. 6,5 Stunden Sonne am Samstag und stellenweise im Dorf 4 Stunden heute in Kandersteg. Ganztags trocken. Bergsicht vorübergehend bis auf sämtliche 3000er und der Schnee auf beinahe 1200m schneller weg als man hinschauen konnte mit einem Höchstwert am Ende von 2,7 Grad.
    Bis am Nachmittag hat es dann ausgesehen wie vorher. Natürlich ist es danach wieder bedeckt. Sternenhimmel ist seltener als so an manchen Orten mit weniger Sonne. Das mit der Strahlung ist aber tatsächlich noch wichtig. Wenn man so Stundenlang über 300-400 Watt kommt fehlt der echt durchzogene Eindruck.

    Ein würdiger Abschluss einer Woche wo am Ende nur ein Tag tagsüber Niederschlag brachte und keine Sonne. 6 der 7 Tage stets im viele Stunden Bereich. Und wenn es denn mal wieder im Wallis und der Romandie durchzogen ist kommt es auf etwas ähnliches raus. Auch das hatten wir diesen Monat schon.

  2. Stefan, 14.04.2019, 19:48

    Es gibt morgen doch auch ein ausserhalb dieser tiefen Wolken.
    Da wo als letztes so kalt wurde als erste im Norden wieder merklich wärmer.
    Weil unsere Nachbar Orte es nicht können fehlt da jetzt was in der Statistik. 6,5 Stunden Sonne am Samstag und stellenweise im Dorf 4 Stunden heute in Kandersteg. Selbstverständlich ganztags trocken. Bergsicht vorübergehend bis auf sämtliche 3000er und der Schnee auf beinahe 1200m schneller weg als man hinschauen konnte mit einem Höchstwert am Ende von 2,7 Grad.
    Bis am Nachmittag hat es dann ausgesehen wie vorher. Natürlich ist es danach wieder bedeckt. Sternenhimmel ist seltener als an den ganzen Orten mit weniger Sonnenzeit. Die Strahlung von über 300-400 Watt gabs auch noch lange Zeit jeweils wenns nicht mehr sonnig war.

    Ein würdiger Abschluss einer Woche wo am Ende gerade mal ein einziger Tag tagsüber Niederschlag brachte und keine Sonne. 6 der 7 Tage stets im viele Stunden Bereich. Und wenn es denn mal wieder im Wallis und der Romandie durchzogen ist, sollen sie doch auch selber. Auch das hatten wir diesen Monat schon. Ich glaube dass es da einfach mal an einem Tag das Wetter aller teile der Schweiz geben kann gefällt wohl einfach nicht allen. Wenns am Morgen so makellos sonnig ist wie Mittwoch und Nachmittag so dicht bewölkt wird oder auch mal die Berge so schnell in den Wolken verschwinden. Oder wenn nach der Sonne durch ein privates Wolkenloch Nummer wieder bedeckt und kalt wird. Da würden die meisten wohl lieber ganztags gleichmässiges Wetter haben. Ich hätte das auch lieber ;-).

    1. Hans Wiesendanger, 15.04.2019, 19:07

      Aäh, sind Sie Künstler, moderner Autor oder so etwas? Was meinen Sie ganz konkret?

    2. Wolfgang, 15.04.2019, 19:56

      War das ein Silbenrätsel?

  3. Rolf Bauer, 14.04.2019, 19:43

    Eine Frage zum Niederschlag am Samstag und Sonntag. Ich war recht viel unterwegs und so habe ich in der Nacht von Samstag auf Sonntag zwischen Zürich und Zofingen Dauerniederschlag auf der Windschutzscheibe gesehen. Am Sonntagnachmittag ebenfalls Dauerniederschlag zwischen Rotkreuz und Basel. Interessanterweise war zur gleichen Zeit auf dem Niederschlagsvideo (Radarmessung) nicht überal Niederschlag angezeigt wo es auch tatsächlichen Niederschlag gab. Zugegeben zum Teil war der Regen sehr schwach aber doch vorhanden.
    Kann es sein, dass der Radar die schwächeren Niederschläge nicht sieht oder ist es vielleicht ein Fehler wegen der starken Verbreitung von Niederschlag wobei dann nur die stärkeren angezeigt werden?

    Vielen Dank für eure Antwort ;-)

    1. MeteoSwiss, 15.04.2019, 17:13

      Am Wochenende ist der Niederschlag vor allem in den untersten Schichten der Atmosphäre in der hochnebelartigen Bewölkung entstanden. Ist dies der Fall, dann wird der Regen oder Schnee von den Radargeräten nur schlecht erfasst respektive unterschätzt.

      Es gibt aber auch die umgekehrte Situation: Bei aufziehenden Warmfronten verdunstet der Niederschlag zu Beginn auf dem Weg zum Erdboden, wird aber vom Radar in den oberen Schichten erfasst. In diesem Fall wird der Niederschlag überschätzt.