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Ostersonntagswetter

21 April 2019, 7 Comments
Topics: Weather

Der heutige Ostersonntag verlief insgesamt freundlich, aber nicht überall gleich sonnig. Auf morgen erwarten wir zudem einen staubigen Gruss aus der Sahara. Die Details zu diesen zwei Themen erfahren Sie im heutigen Blogbeitrag.

Narzissen, fotografiert heute Vormittag im Garten der ZHAW in Wädenswil. Foto: D. Gerstgrasser
Narzissen, fotografiert heute Vormittag im Garten der ZHAW in Wädenswil. Foto: D. Gerstgrasser

Wetterlage

Enlargement: Links: Bodenwetterkarte mit Fronten von heute Mittag um 12 UTC (Quelle: DWD). Rechts: Höhenwetterkarte 500 hPa (ca. 5500 m) mit Isohypsen (schwarze Linien) und Temperatur (Farbflächen) von heute Mittag um 12 UTC.
Links: Bodenwetterkarte mit Fronten von heute Mittag um 12 UTC (Quelle: DWD). Rechts: Höhenwetterkarte 500 hPa (ca. 5500 m) mit Isohypsen (schwarze Linien) und Temperatur (Farbflächen) von heute Mittag um 12 UTC.

Das in den vergangenen Tagen wetterbestimmende Hochdruckgebiet hat sein Zentrum heute nach Westrussland verlagert. Deshalb ist der Luftdruck bei uns innert 24 Stunden um etwas mehr als 10 Hektopascal gesunken.

Dies blieb nicht folgenlos, zumal wir in den oberen Luftschichten allmählich in den Einflussbereich des Höhentiefs gelangten, welches in Spanien in den vergangenen Tagen teils intensive Niederschläge brachte.

Farbintensiver Sonnenaufgang

Enlargement: Satellitenbild (HRV-Kanal) heute Morgen kurz nach Sonnenaufgang. Die gerippelte Struktur der Wolkenoberfläche (vor allem über Frankreich erkennbar) weist bereits auf das Vorhandensein von Saharastaub hin. Details dazu im letzten Abschnitt des Blogs.
Satellitenbild (HRV-Kanal) heute Morgen kurz nach Sonnenaufgang. Die gerippelte Struktur der Wolkenoberfläche (vor allem über Frankreich erkennbar) weist bereits auf das Vorhandensein von Saharastaub hin. Details dazu im letzten Abschnitt des Blogs.

Bereits in der Nacht erfolgte in den oberen Luftschichten eine Anfeuchtung, diese äusserte sich in Form von ausgedehnter hoher Bewölkung. Gegen Norden hin war die Bewölkung scharf abgeschnitten.

Unterschiedliche Sonnenscheindauer

Enlargement: Die hohen Wolkenfelder verdeckten die Sonne zeitweise. Beim Ballonfahren in der Ostschweiz (Bild links) störte dies nicht. An den Solarzellen des Solarlabors bei der ZHAW in Wädenswil hingegen war die Stromproduktion wohl recht unregelmässig.
Die hohen Wolkenfelder verdeckten die Sonne zeitweise. Beim Ballonfahren in der Ostschweiz (Bild links) störte dies nicht. An den Solarzellen des Solarlabors bei der ZHAW in Wädenswil hingegen war die Stromproduktion wohl recht unregelmässig.
Fotos: B. Kunz (links) und D. Gerstgrasser (rechts)

Über den Tag verteilt zogen immer wieder dichtere Wolkenpakete über uns hinweg. Diese waren vor allem am Vormittag etwas dichter als ursprünglich erwartet.

Der Wettereindruck präsentierte sich insgesamt aber durchaus freundlich, auch wenn nicht alle Regionen gleich viel Sonne erhielten. Vor allem ganz im Westen sowie in der Region Basel und in Teilen des Kantons Aargau wurden nur wenige Sonnenstunden totalisiert, am Genfersee teils weniger als eine Stunde.

Am wärmsten in den Föhnregionen

Enlargement: Tageshöchsttemperaturen an ausgewählten Stationen im Messnetz von MeteoSchweiz.
Tageshöchsttemperaturen an ausgewählten Stationen im Messnetz von MeteoSchweiz.

In der Deutschschweiz und in Nordbünden stiegen die Temperaturen in den Niederungen überall über die 20-Grad-Marke, am wärmsten war es in den vom Föhn beeinflussten Regionen. So wurden in Vaduz heute 24.6 Grad gemessen. In der Westschweiz erreichten die Temperaturmaxima mit 17 bis knapp 20 Grad tiefere Werte, dies wegen der erwähnten reduzierten Besonnung.

Ein Gruss aus der Sahara

Auf morgen nimmt die Süd- bis Südostströmung in der Höhe noch etwas zu, gleichzeitig wird auch die Föhnströmung in den Alpentälern stärker. Damit erreicht uns ein Schub mit Saharastaub, welcher an einer leichten grau-bräunlichen Färbung des Himmels erkennbar sein sollte.

Damit es der Saharastaub bis auf die Alpennordseite schafft, sind verschiedene Voraussetzungen nötig:

  • starke Bodenwinde in der Sahara, welche ein paar Tage zuvor Sand und Staub aufwirbeln
     
  • ein weit nach Süden ausgreifendes Höhentief, auf dessen Vorderseite der Staub in die Strömung einbezogen und in der Höhe nach Norden verfrachtet wird
     
  • keine oder nicht zu starke Niederschläge auf dem Weg zu uns, damit der Staub nicht ausgewaschen wird

Alle diese Voraussetzungen sind aktuell gut erfüllt.

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Comments (7)

  1. Mirjam, 22.04.2019, 12:58

    Liebes Meteo-Team, können Sie mir sagen, wie der Saharastaub die gerippte Struktur bei der hohen Bewölkung zustande bringt? Und gleich die zweite Frage: ich nehme an, die leicht violette Farbe dieser Bewölkung auf dem Satellitenbild hat nichts mit der tatsächlichen Farbe zu tun oder doch? Herzlichen Dank für Ihre Antwort :-)

    1. MeteoSwiss, 22.04.2019, 14:22

      Guten Tag und vielen Dank für die Frage:
      Die gerippte Struktur an der Unterseite ist das Ergebnis diverser unterschiedlicher Windstärken und Richtungen. Bei der Wolkenobergrenze kommt die Struktur wahrscheinlich infolge des veränderten Strahlungshaushaltes in der Nacht aufgrund der besseren Rückstrahlung des Staubes zu stande.
      Die violette Färbung des Satellitenbildes ist eine reine Einstellungssache unseres Satellitentools und hat nichts mit der reellen Farbe der Wolkenoberkante zu tun.

  2. Peter Bernet, 21.04.2019, 22:29

    Ich nehme an, dass es einen Zusammenhang gibt, zwischen
    dem besagten Saharastaub und dem speziellen Morgenrot.
    Und auch die vermehrten Schleierwolken, die nicht unbedingt
    erwartet wurden, hatten einen Zusammenhang mit diesem
    Staub, der diese hohen Eiskristallwolken produzierte.

  3. Mike (Basel), 21.04.2019, 20:06

    Da ich heute fast den ganzen Tag unweit der Wetterstation (200m - 600m) verbracht habe, kann ich diese geringe Sonnenscheindauer absolut nicht bestätigen bzw. bin nun endgültig absolut davon überzeugt, dass der Schwellenwert von 200W/m2 für das Flachland ungeeignet ist. Von ungefähr 11 Uhr bis ca. 16 Uhr war zu 80 % sichtbarer Sonnenschein mit Schattenbildung am Boden zu verzeichnen gewesen. Wirklich dicht bewölkt war es am Nachmittag eigentlich nur von ca. 16 - 17 Uhr. Von der eigenen Beobachtung her hätte ich auf 5 bis 6 h Sonne geschätzt, aber nie im Leben auf die nur gemessenen 1.7 h bis 16:00 UTC? Das sah so dann so aus. Das Bild ist von 13:17 Uhr.
    https://s16.directupload.net/images/user/190421/jnwwn37d.jpg
    Ist das kein Sonnenschein?
    In der Stunde von 13 h bis 14 Uhr sollen es nur 6 min gewesen sein? Sehe ich das richtig?

    1. Beat Müller, 22.04.2019, 01:30

      Siehst du richtig, in den Nachbarländern ist der Schwellenwert bei 120W/m2. Eine Angleichung würde auch der Vergleichbarkeit bei grenznahen Stationen zu Gute kommen. Rheinfelden DE hat beispielsweise kaum 100 bis 200 Stunden mehr Sonne als Basel (vielleicht gibt es noch bessere Beispiele, die näher beieinander liegen).

    2. Michael, 23.04.2019, 22:47

      Tatsächlich, die konventionelle Registrierung (Negretti-Zambra) bei uns auf dem Observatorium ergab am Sonntag - noch nicht genau ausgemessen - um die vier Stunden Sonnenschein.

    3. Mike (Basel), 24.04.2019, 15:03

      Danke Michael für die Bestätigung meiner Beobachtung. Ich bin weiterhin überzeugt, wie ich schon oft erwähnt habe, dass die weitergeführte, konventionelle Reihe repräsentativer für die Region Basel und sogar homogener ist, als die MeteoSchweiz-Reihe.