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Mondsüchtig...

20 April 2019, 7 Comments
Topics: Weather

…war der Blogger gestern Abend. Deshalb schauen wir uns heute den gestrigen Vollmond noch einmal an und klären ein paar Mythen zum Thema Wetter und Mond. Natürlich widmen wir uns auch dem heutigen Wetter und versuchen zu ergründen, weshalb es heute - im Gegensatz zu gestern - gewitterfrei geblieben ist.

Aufgang des Vollmondes am gestrigen Karfreitag. Der Blick geht von der Hirzelhöchi nach Ostsüdost zum Rätikon. Foto: D. Gerstgrasser
Aufgang des Vollmondes am gestrigen Karfreitag. Der Blick geht von der Hirzelhöchi nach Ostsüdost zum Rätikon. Foto: D. Gerstgrasser

Der Mond und das Wetter

Der Mond ist die Hauptursache der Gezeiten, er verursacht durch seine Anziehungskraft Ebbe und Flut. Die Dichte der Luft ist etwa um den Faktor tausend kleiner als die Dichte des Wassers, somit ist der Einfluss des Mondes auf die Lufthülle vernachlässigbar.

Enlargement: Collage vom aufgehenden und langsam höher steigenden Vollmond am gestrigen Karfreitag. Die rötliche Färbung und der Kontrast zu den schneebedeckten Bergen waren sehr eindrücklich. Blick von der Hirzelhöchi nach Ostsüdost.
Collage vom aufgehenden und langsam höher steigenden Vollmond am gestrigen Karfreitag. Die rötliche Färbung und der Kontrast zu den schneebedeckten Bergen waren sehr eindrücklich. Blick von der Hirzelhöchi nach Ostsüdost.
Fotos: D. Gerstgrasser

Trotzdem ranken sich um das Thema Wetter und Mond verschiedenste Mythen, drei davon wollen wir an dieser Stelle kurz aufgreifen:

  •  „Bei Vollmond ändert sich das Wetter“: Da der Vollmond auf der ganzen Erde zur gleichen Zeit stattfindet, müsste sich also das Wetter zur Zeit des Vollmondes auf der ganzen Erde gleichzeitig ändern, das ist nicht möglich.
     
  • „Wenn sich das Wetter zur Zeit des Neumondes nicht ändert, bleibt es zwei Wochen so“: Auch hier gilt, dass der Neumond auf der ganzen Erde zur gleichen Zeit stattfindet. Somit müssten also alle Hoch- und Tiefdrucksysteme auf der Erdkugel zwei Wochen lang an Ort und Stelle verharren und der Luftdruck dürfte sich nirgends ändern, auch das ist nicht möglich.
     
  • „Klare Vollmondnächte sind besonders kalt“: Hier gilt ganz allgemein, dass klare Nächte aufgrund der optimalen Abstrahlungsverhältnisse meist kalt sind. Dies ist insbesondere im Winter der Fall, wenn Schnee liegt. Ist dann zufälligerweise Vollmond, ist dieser natürlich besonders gut zu sehen und er taucht die Landschaft in ein mystisches Licht.

Umgekehrt hat das Wetter, respektive die Atmosphäre einen Einfluss auf den Mond. Zumindest auf dessen Farbe. Steht der Mond tief, ist er meist rötlich.

Dies hat damit zu tun, dass das vom Mond reflektierte Sonnenlicht einen langen Weg durch die Erdatmosphäre zurücklegt. Dabei wird der blaue Anteil des Lichtes weggestreut (=Ursache für den blauen Himmel tagsüber) und es bleibt vor allem rotes Licht übrig (physikalisch: Rayleigh Streuung an Luftmolekülen).

 

Enlargement: Der höher steigende Mond verändert seine Farbe. Sie wechselt vom rötlichen über orange-gelb langsam nach Weiss.
Der höher steigende Mond verändert seine Farbe. Sie wechselt vom rötlichen über orange-gelb langsam nach Weiss.
Foto: D. Gerstgrasser

Steigt der Mond nun höher, so wird der Weg des Lichtes durch die Erdatmosphäre stetig kürzer. Damit wird der Einfluss der Streuung geringer und die Farbe des Mondes wechselt über orange-gelblich nach Weiss.

Nun aber zurück zum aktuellen Wetter.

Gestern Schauer und Gewitter, heute nicht

Enlargement: Vergleich der Bodendruckkarten mit Fronten. Links gestern, rechts heute, jeweils um 12 UTC. Im Bereich des Alpenraumes sind praktisch keine Änderungen auszumachen. Die 1025 hPa Isobare bildet im Bereich der Alpen an beiden Tagen ein charakteristisches Föhnknie (etwas höherer Luftdruck auf der Alpensüdseite).
Vergleich der Bodendruckkarten mit Fronten. Links gestern, rechts heute, jeweils um 12 UTC. Im Bereich des Alpenraumes sind praktisch keine Änderungen auszumachen. Die 1025 hPa Isobare bildet im Bereich der Alpen an beiden Tagen ein charakteristisches Föhnknie (etwas höherer Luftdruck auf der Alpensüdseite).
Quelle: Deutscher Wetterdienst, DWD

Vergleicht man die Bodendruckkarten von gestern und heute, so sind im Alpenraum praktisch keine Unterschiede auszumachen. Trotzdem war das Wetter in der westlichen Landeshälfte markant sonniger als gestern und Schauer oder gar Gewitter blieben aus. Selbst über dem Jura entwickelten sich kaum Quellwolken.

Enlargement: Bildvergleich MeteoSchweiz Wetterkamera Yverdon. Oben das Bild von gestern um 13.40 UTC, unten jenes von heute zur selben Zeit. Die Abtrocknung der Luftmasse innert 24 Stunden ist markant.
Bildvergleich MeteoSchweiz Wetterkamera Yverdon. Oben das Bild von gestern um 13.40 UTC, unten jenes von heute zur selben Zeit. Die Abtrocknung der Luftmasse innert 24 Stunden ist markant.

Die Ursache dafür ist in den höheren Luftschichten zu suchen. Die gestern an dieser Stelle beschriebene Höhenkaltluft hat sich im Tagesverlauf langsam nach Frankreich verlagert. Gleichzeitig ist in den mittleren Schichten sehr trockene Luft eingeflossen. Obwohl die Atmosphäre auch heute instabil geschichtet war, konnten sich in der trockenen Luft kaum Quellwolken bilden.

Am schönsten sind die Unterschiede zwischen gestern und heute in den untenstehenden Animationen zu sehen:

Schwacher bis mässiger Föhn

Enlargement: Föhnindex an ausgewählten Station um 14.40 UTC. "0" bedeutet kein Föhn an der Station, "1" Föhnmischluft an der Station, "2" Föhn an der Station. Obwohl die Föhnströmung schwach war (in dieser Darstellung nicht erkennbar), setzte sie sich grossflächig durch. Diese Daten sind auch auf der MeteoSchweiz Homepage oder auf der App verfügbar.
Föhnindex an ausgewählten Station um 14.40 UTC. "0" bedeutet kein Föhn an der Station, "1" Föhnmischluft an der Station, "2" Föhn an der Station. Obwohl die Föhnströmung schwach war (in dieser Darstellung nicht erkennbar), setzte sie sich grossflächig durch. Diese Daten sind auch auf der MeteoSchweiz Homepage oder auf der App verfügbar.

Obwohl der Luftdruck auf der Alpensüdseite nur rund 3 Hektopascal höher als im Norden war, setzte sich die Föhnströmung im Tagesverlauf in den Alpentälern relativ grossflächig durch. Das ist typisch für den Frühling und hat mit der oben erwähnten instabilen Schichtung der Atmosphäre zu tun. Mit Böenspitzen von 40 bis lokal knapp 60 km/h in Meiringen war dieser jedoch nicht sehr stark.

Warm, aber kein Sommertag

Enlargement: Während es auf der Alpennordseite meist wolkenlos blieb (Bild links, Steinhof, SO), sind auf der Alpensüdseite ein paar flache Quellwolken entstanden (Bild rechts, das autofreie Dörfchen Rasa im Centovalli).
Während es auf der Alpennordseite meist wolkenlos blieb (Bild links, Steinhof, SO), sind auf der Alpensüdseite ein paar flache Quellwolken entstanden (Bild rechts, das autofreie Dörfchen Rasa im Centovalli).
Fotos: T. Jordi (links), P. Stierli (rechts)

Nach einem kühlen Morgen stiegen die Temperaturen in den Niederungen beidseits der Alpen rasch auf über 20 Grad an. Vielerorts wurden Höchstwerte von 22 bis 23 Grad gemessen, am wärmsten war es mit 24.6 Grad in Würenlingen und 24.4 Grad in Basel-Binningen. Für den ersten Sommertag des Jahres mit einer Temperatur von 25 Grad oder mehr hat es also (noch) nicht gereicht.

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Comments (7)

  1. Alfred Altorfer, 21.04.2019, 14:06

    Der blaue Himmel an einem Sonnentag, auch über Mittrag, ist die Farbe des Ozons.
    Kondensiertes Ozon ist eine tief violettblau Flüssigkeit; azurblau.
    Prof G. Schwarzenbach zeigte in seinen Vorlesungen zur Allgemeinen und Anorganischen Chemie (vor 55 Jahren) wie reaktionsfähig flüssiges Ozon ist - es braucht nicht viel, und es explodiert!

  2. Mänu, 21.04.2019, 12:22

    Guten Tag
    Der Blog ist wieder einmal sehr spannend und gut geschrieben.
    Eine genauere Beschreibung des Zusammenhangs Föhndurchbruch und stabile/instabile Schichtung der Luft fände ich als Gleitschirmpilot sehr spannend.

    1. MeteoSwiss, 21.04.2019, 14:36

      Damit der Föhn in die Täler durchgreifen kann, muss er zunächst den Kaltluftsee ausräumen. Vor allem im Winter ist das nicht ganz einfach, da die Schichtung sehr stabil ist.

      Im Frühjahr hingegen ist die Kaltluftschicht in der Regel weniger hochreichend und auch weniger markant. Gestern Morgen hatte der Kaltluftsee eine maximale Mächtigkeit von 150 bis 200 Metern. Mit der starken Aprilsonne wurde dieser im Laufe des Vormittags sehr rasch "weggeheizt".

  3. Leonz Keusch, 20.04.2019, 21:43

    Bei diesen stimmungsvollen Vollmondbildern könnte man noch mondsüchtig werden. Aber dann würde ich vielleicht noch mit den Wölfen um die Wette heulen….
    Sehr interessante Informationen über unseren Erdtrabanten. Auch ich mit Jahrgang 1957, habe noch etwas dazugelernt. Andererseits hoffe ich natürlich schon, dass uns noch ein paar Mythen erhalten bleiben.

  4. Ben walth, 20.04.2019, 20:19

    So stellt doch den Wölfen endlich mal das Heulen ab, wenn Vollmond ist.

    1. Franziska, 20.04.2019, 23:03

      Woher kommt wohl die Idee, Wölfe würden (nur/v.a) bei Vollmond heulen? Ich hab das einmal gehört - war eindrücklich und nix Vollmond...

  5. Urs Imhof, 20.04.2019, 18:49

    Jetzt habe ich das mit dem Mond gelernt und das mit Jahrgang 1977.
    Noch ein Hinweis zur Windverhältnisse:
    Meines Erachtens müsste der Wind etwas zunehmen wenn kühlere Luft reinkommt.
    Wenn dem so wäre würde es in einigen Regionen eine windige Woche geben und nicht nur Schauer.
    Schöne Ostern