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Geblockt!

3 April 2019, 7 Comments
Topics: Weather

11:10 zugunsten des SC Bern. So die Statistik der geblockten Schüsse im gestrigen Eishockey Playoff-Spiel EHC Biel – SC Bern. Aber wir sind ja hier bei einem Wetterblog, darum zurück zum Wesentlichen. Beim Wetter geht in Sachen „blocking“ der Hochdruck 1:0 in Führung.

Quelle: thunertagblatt.ch; Foto Estelle Vagne (freshfocus).
Quelle: thunertagblatt.ch; Foto Estelle Vagne (freshfocus).

Spannung ist angesagt

Das Wetter ist im Moment jedenfalls genauso spannend wie ein Playoff-Krimi im Eishockey.

Die Schweiz liegt im Einflussbereich eines umfangreichen Tiefdruckgebiets mit Zentrum bei den Britischen Inseln. Die dazugehörige Kaltfront befand sich heute Morgen knapp westlich der Schweiz, durch die südliche Höhenströmung kommt die Front nur langsam ostwärts voran.

Über Osteuropa liegt ein ebenfalls ausgedehntes Hochdruckgebiet. Das Tiefdruckgebiet setzte zwar zu einem Check an, doch das wohl genährte Hochdruckgebiet blieb zunächst relativ unbeeindruckt stehen. So dreht das Tief in den kommenden Tagen über den Britischen Inseln seine Kreise und wandert kaum Richtung Osten.

Jedoch spaltet sich am Donnerstag ein Teil des Tiefs über Frankreich ab und startet via Mittelmeer einen Flügellauf zur Adria. Über der Schweiz bleibt die Höhenströmung somit noch lange auf südlicher Richtung, in den untersten Schichten dreht die Strömung auf der Alpennordseite aber allmählich auf westliche bis nordwestliche Richtung. So stellt sich eine Gegenstromlage ein. Oben weht der Wind aus südlicher Richtung, unten aus Sektor Nord. So gleitet die wärmere Luft aus Süden auf die kältere Luft im Norden auf. Dies führt zu grossflächigen und teils ergiebigen Niederschlägen.

Schneewarnung der Stufe 4 aktiv

In einer ersten Phase sind vor allem die Alpensüdseite durch Stauniederschläge und die westlichen Landesteile durch die nahezu stationäre Kaltfront von teilweise ergiebigen Niederschlägen betroffen. Im Nordtessin sind zum Teil schon 20 bis 35 mm Niederschlag gefallen. In einer zweiten Phase fällt auch in den übrigen Regionen der Schweiz zum Teil intensiver Niederschlag. Für weite Teile der Schweiz ist eine Schneewarnung der Stufe 3 oder 4 aktiv.

Von der Simplonregion über die nördlichen Tessiner Alpen bis zum Urner- und Bündner Oberland werden 80 bis 120 cm Neuschnee erwartet. In den übrigen Alpenregionen sowie auf der Alpennordseite oberhalb rund 600 Metern dürften ebenfalls 10 bis 30 cm Neuschnee fallen. Weitere Details finden Sie auf unserer Gefahrenkarte wie auch im Naturgefahrenbulletin.

Heute klassische Föhnverteilung

Auf der Alpensüdseite und den nördlich angrenzenden Gebieten war es heute stark bewölkt mit häufigen Niederschlägen. Die Schneefallgrenze lag bei 1300 bis 1500 Metern. Auch in der Westschweiz war es durch präfrontale Niederschläge sowie ab dem Vormittag mit der Kaltfront oft bewölkt. Die Schneefallgrenze sank ganz im Westen bereits auf rund 500 Meter ab. In der Zentral- und Ostschweiz hingegen war es dank des Föhns noch freundlich und trocken, es wurden 4 bis 8 Stunden Sonnenschein registriert.

Der Föhn erreichte in den Alpentälern 60 bis 90 km/h, auch in den Bergen wehte starker bis stürmischer Südwind. Die höchste Böe wurde auf dem Gütsch mit 146 km/h registriert. Durch die von Westen einfliessende Kaltluft (Druckanstieg) nahm der Druckgradient zu, so wurden im Tagesverlauf auch im Mittelland Böen von 40 bis 60 km/h aus West/Nordwest erreicht.

Zum Teil inverser Tagesgang der Temperatur

Die Temperaturen zeigten sich durch die Föhnverteilung sehr unterschiedlich. In den Föhntälern wurden am Nachmittag nochmals bis 17 Grad erreicht, im zentralen und östlichen Mittelland 13 bis 15 Grad. Ganz im Westen hingegen zeigte sich bei der Temperatur ein inverser Tagesgang. Das bedeutet, die Temperatur sank im Tagesverlauf mit der einfliessenden Kaltluft, wie untenstehend am Beispiel der Station Fahy (in der Ajoie) ersichtlich.

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Comments (7)

  1. Manuel, 03.04.2019, 23:07

    Wenn man heute Abend den Niederschlagsradar betrachtet, dann liegt die Vermutung nahe, dass sich die Kaltfront über der Westschweiz praktisch nicht bewegt. Trotzdem ist es in der Zentralschweiz und gegen Osten bereits am Nachmittag sehr schnell markant kühler geworden, notabene ohne Niederschläge. Was steckt da dahinter, wenn die Kaltfront doch an Ort im Westen verharrt?

    1. Wolfgang, 04.04.2019, 18:57

      Das würde mich auch interessieren.

    2. MeteoSwiss, 06.04.2019, 03:53

      Das haben Sie richtig beobachtet. Der Grund dafür ist, dass östlich der nahezu stationären Front in bodennahen Schichten die Kaltluft seicht eingeflossen ist (das waren die im Text erwähnten Böen aus West/Nordwest). Diese "Druckwelle" wird durch den sich aufbauenden Druckgradienten zwischen West- und Ostschweiz ausgelöst (Druckanstieg im Westen durch das Abkühlen der Luft (durch Advektion kälterer Luft und auch durch Niederschläge)).

  2. Doris, 03.04.2019, 19:33

    Herrliches Wetter im Moment. Von Allem ein bisschen. Warm, kühl, Regen, Sonne, das wäre doch wieder mal etwas Normales, so wie es früher war. Ach wäre das schön ohne diese Extreme......
    Und abwechslungsreich, für Jeden etwas dabei, oder nicht??? 😊

    1. Heinz F., 03.04.2019, 22:44

      Einverstanden, und endlich mal etwas ergiebigerer Regen!

    2. Wolfgang, 03.04.2019, 23:14

      Das stimmt, Doris. Eine gute Mischung ist das zur Zeit. Aber auf die Schneefälle könnte ich gut verzichten ebenso wie auf die anschließende Salzwelle...

    3. Andy Burian, 04.04.2019, 14:23

      Welche Extreme bitte,?