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Aprilschnee

4 April 2019, 5 Comments
Topics: Weather

Der April macht was er will. So haben wir in diesem noch jungen Monat an einigen Orten bereits über einen Meter Schnee erhalten. Wo wieviel Schnee fiel erfahren Sie in diesem Blog.

Foto: Christa Hayoz
Foto: Christa Hayoz

Wetterlage

Enlargement: Bodenwetterkarte mit Fronten von heute 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst
Bodenwetterkarte mit Fronten von heute 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Die gestern hier beschriebene Kaltfront hat, nachdem sie eine Weile stationär über dem Jura lag, heute die Schweiz im Tagesverlauf überquert. In der Höhe wurde mit einer südlichen Höhenströmung feuchte Luft zum Alpenraum geführt. Diese beiden Gegebenheiten haben seit Mittwochabend für ergiebige Schneefälle gesorgt.

Enlargement: Gemessene Niederschlagssummen von Dienstag 19 Uhr bis heute 19 Uhr. In tiefen Lagen fiel dies teils in Form von Regen.
Gemessene Niederschlagssummen von Dienstag 19 Uhr bis heute 19 Uhr. In tiefen Lagen fiel dies teils in Form von Regen.

Die Schneefallgrenze sank dabei teils bis in tiefste Lagen. Dies besonders während Phasen intensiven Niederschlags, durch die sogenannte Niederschlagsabkühlung. Das heisst, dass der herunterfallende Schnee der Atmosphäre während dem Schmelzprozess wärme entzieht und sie somit abkühlt. Die Schneefallgrenze kann dadurch, bei genügend starkem Schneefall stets tiefer sinken.

Starkschneefälle in Göschenen. Video: Christian Hunkeler

Neuschnee Alpen

Enlargement: Schwierige Strassenverhältnisse heute Vormittag in Andermatt. Foto: Gregor Lang
Schwierige Strassenverhältnisse heute Vormittag in Andermatt. Foto: Gregor Lang

Von Dienstagabend bis heute Abend sind am Alpensüdhang, im Oberwallis, im Simplon- und Gotthardgebiet oberhalb von 1200 bis 1600 Metern 80 bis 120, lokal sogar bis 150 cm Neuschnee gefallen.

Enlargement: Ein Bild wie im tiefsten Winter heute Vormittag in Göschenen. Foto: Christian Hunkeler
Ein Bild wie im tiefsten Winter heute Vormittag in Göschenen. Foto: Christian Hunkeler

Auch zwischen 800 und 1200 Metern fielen in diesen Regionen verbreitet 40 bis 80 cm. Im angrenzenden Oberengadin, dem restlichen Wallis, dem Berner Oberland und den übrigen Zentralschweizer Alpen fielen oberhalb von 1200 Metern ebenfalls 40 bis 80 cm Neuschnee. In den westlichen Bündner Alpen sowie im Alpsteingebiet setzte der Schneefall erst im Laufe von heute Vormittag ein. Bis am Abend konnten aber oberhalb von 1200 bis 1600  Metern dennoch 20 bis 50 cm Neuschnee akkumuliert werden.

Neuschnee Flachland und Jura

Enlargement: Kräftiger Schneefall auch auf dem Flugplatz Buochs. Foto: Luc Lienhard
Kräftiger Schneefall auch auf dem Flugplatz Buochs. Foto: Luc Lienhard

Auch in den Niederungen der Alpennordseite konnten in den zentralen und westlichen Regionen seit gestern Abend 2 bis 15 cm, in leicht erhöhten Lagen bis 35 cm Neuschnee gemessen werden, auf dem Jura sogar 25 bis 45 cm. In den östlichen Regionen der Alpennordseite setzten die Niederschläge erst im Laufe von heute Vormittag ein und die Schneefallgrenze sank nur langsam bis in tiefe Lagen. Bis am Abend kamen aber auch hier gebietsweise 2 bis 6 cm Neuschnee zusammen, oberhalb von etwa 600 Metern 5 bis 15 cm. Wir sind gespannt auf die Schneemessungen von morgen früh.

Rekordverdächtige Neuschneesummen

Enlargement: Höchster 1-Tages Schneefall pro Jahr seit 1961 in Bosco-Gurin.
Höchster 1-Tages Schneefall pro Jahr seit 1961 in Bosco-Gurin.

Heute Morgen meldete Bosco-Gurin (liegt im westlichen Tessin) eine 1-Tages Neuschneesumme von 78 cm. Das ist für den April die zweithöchste 1-Tages Neuschneesumme seit Messbeginn 1961. Mehr Aprilschnee innerhalb eines Tages fiel hier nur vom 9. auf den 10. April 1998 mit 91 cm.

Die aktuelle 1-Tages Neuschneesumme von 78 cm ist die zehnthöchste, die am Messstandort Bosco-Gurin je gemessen wurde. Am meisten Neuschnee innert Tagesfrist fiel vom 25. auf den 26. Dezember 2013 mit 110 cm.

Auch die Zweitagessumme, welche mit der Messung von morgen früh komplett wird, lässt für Bosco-Gurin eine der höchsten 2-Tages Neuschneesummen für den Monat April erwarten.

Weiteres Wetter

Enlargement: Am Flughafen Zürich gab es heute Schnee, Regen und Schneeregen im Wechsel. Foto: Bruno Kunz
Am Flughafen Zürich gab es heute Schnee, Regen und Schneeregen im Wechsel. Foto: Bruno Kunz

Der kräftige Südwind erreichte auf den Berggipfeln Böenspitzen um 100 km/h, auf dem Pizzo Matro 117 km/h.  Die Temperaturmaxima von heute lagen mit stark bewölkten Verhältnissen schweizweit im einstelligen Bereich,  im südlichen Tessin knapp darüber.

In den westlichen Landesteilen sind die Niederschläge bereits zu Ende gegangen und auch in den übrigen Regionen werden die Niederschläge in den nächsten Stunden abklingen. Dahinter folgt eine Aufklarung. Informationen zur aktuellen Schnee- und Lawinensituation vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF Davos sind unter www.slf.ch oder mit der SLF-App "White Risk" erhältlich.

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Comments (5)

  1. Andi, 05.04.2019, 08:01

    Was ist das für ein Gerät, das auf dem Bild des Flughafens Zürich zu sehen ist?

    1. MeteoSwiss, 05.04.2019, 08:55

      Es handelt sich um einen Sonnenscheinautograph nach Campbell Stokes.
      Je nach Jahreszeit können unterschiedliche Papierstreifen eingeführt werden und bei Sonnenschein brennt die Kugel Löcher in die Streifen.
      Das Gerät wird im operationellen Betrieb schon lange nicht mehr gebraucht.

    2. Daniel, 05.04.2019, 08:56

      Das ist ein Heliograph, der wurde früher für die Messung der Sonnenscheindauer verwendet.

    3. Andi, 05.04.2019, 09:05

      Danke! Andi

  2. Stefan, 04.04.2019, 23:26

    Schon immer faszinierend wie viel nach Westen hin im Mittelland und Jura zusammenkommt und weniger in den Alpen.
    Dagegen die Verhältnisse alleine von Luzern nach Engelberg mit der Zunahme. Und im Mittelland östlich vom Kanton Bern kaum nennenswert eigentlich. Was aber auch bei solchen Lagen eine hübsche Kleinigkeit ist, ist dass Kandersteg noch so der westlichste Zipfel ist, der noch gut abbekommt. um die 12mm mehr als bei Adelboden. Und erst östlich von Grindelwald noch mehr. Da fängt also eigentlich dann erst der Alpenschwerpunkt an ;). Nun wir haben ohnehin nie solche Fantasie Niederschlagmengen. Darum ist seit ich selbst seit 2011 messe das heutige Ereignis die 2. grösste 24h Neuschneemenge. Und zwar auf alles bezogen. Nur einmal im Dezember 2013 gab es noch ein paar cm mehr. Nun fängt man wieder bei der Schneehöhe wie um Mitte Februar an mit dem Frühling.