Raueis, Raureif und Industrieschnee bei winterlichen Inversionslagen

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Auch wenn die Nebelschicht der aktuellen Inversionswetterlage durchwegs positive Temperaturen aufweist, soll heute auf drei Phänomene eingegangen werden, die während hochwinterlichen Inversionslagen auftreten.

In den Monaten Wintermonaten herrschen in der Inversionsschicht meist negative Temperaturen, der Nebel ist also unterkühlt. Wenn die unterkühlten Wassertröpfchen im Nebel auf feste Gegenstände treffen (vor allem durch Windeinwirkung), gefrieren sie und bilden Raueis. Das Raueis (auch „Anraum“ genannt), wächst gegen den Wind, kann bizarre Strukturen bilden und ist relativ fest.

Häufig wird Raueis mit Raureif verwechselt. Raureif besteht jedoch aus zerbrechlichen Eisnadeln oder Eisschuppen und entsteht meist im Bereich der Nebelobergrenze oder am Nebelrand durch Abstrahlung bei deutlich negativen Temperaturen. Anders als bei der Bildung von Raueis entsteht Raureif durch Resublimation, das heisst der gasförmige Wasserdampf geht direkt in den festen Zustand über und lagert sich an Gegenständen ab:

In den Ballungsgebieten fällt die im Nebel vorhandene Feuchtigkeit manchmal in Form von Schnee (sogenannter Industrieschnee) vom Himmel. Dieses Phänomen kann während länger andauernden Inversionslagen in der Nähe von Industriebetrieben, welche grosse Mengen vom Wasserdampf emittieren, beobachtet werden (Kehrichtverbrennungsanlagen, Zellulose-, Papier- und Stahlfabriken).

Bei den Kernkraftwerken mit Kühltürmen (Gösgen und Leibstadt) hingegen, ist die ausgestossene Dampffahne in der Regel so warm, dass diese die Inversion durchstösst und in der trocken Luft verdunstet. Somit tritt hier kein Industrieschnee auf.

Damit Industrieschnee entsteht, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • die Inversion sollte nicht höher als etwa 900m liegen (in vielen Fällen wurden 700 bis 900 Meter beobachtet)
  • die Temperatur an der Untergrenze der Inversionsschicht muss bei mindestens -5 bis -12 Grad liegen

Mit diesen Zutaten lassen sich auf lokaler Ebene durchaus einige wenige Zentimeter Schnee produzieren, während über dem Nebelmeer auf den umliegenden Hügeln die Sonne von einem wolkenlosen Himmel scheint.